2026-03 - Dieter über Sex und Erotik


Warum kann man sich nicht einfach an die Frau seines Begehrens anschmiegen, sie mit Küssen auf den Hals erregen, ihre Möse befingern und sie dann eben „ficken“. Wobei mir schon das Wort „ficken“ unangenehm agressiv klingt. Das Wort „Vögeln“ klingt schon mal viel sanfter, inniger. Die Spanier sagen „follar“. Und, vögelt man jemanden oder vögelt man „mit“ jemandem?

 

Aber wie oder was ist das Vögeln überhaupt? Prinzipiell steckt man seinen Schwanz in einen anderen Körper. „Reinstecken“ hat etwas Beherrschendes. Als Mann, als der, der „reinsteckt“, ist man der dominierende Teil. Aber warum muss man mit seinem Schwanz eine Frau dominieren?

 

Die meisten meiner blöden „Nachkriegs-Generation“ wurden ja im puritanischen Sinn erzogen, in dem Sinn, dass man den Geschlechtsverkehr, also das „Vögeln“ immer als etwas irgendwie Obskures, Unnatürliches, Verbotenes sah. Diese Erziehung fußte nicht nur auf schrägen,  moralischen Gründen, sondern gezielt auch in Hinsicht auf ungewollte Fortpflanzung. „Bloß nicht reinstecken! Und wenn, dann mit Gummi!“ Aber die Frömmse dieser Zeit waren noch nicht so gefühlsecht wie heutzutage.

 

Dabei waren ja insbesondere die Katholiken auf diesem verlogenen Turn, sich der „Sünde“ so hemmungsglos wie möglich hin zu geben, um dann am Beichtstuhl zwecks Absolution ihre „Schuld“ zu gestehen.

 

Klar, schon im frühen Alter haben sich die meisten mit Schuldgefühlen unter der Bettdecke welche runtergeholt, die Geilheit kommt halt irgendwann über jeden Jugendlichen. Auf einmal guckt man nach  Frauen, nach ihren Hintern und ihren Titten und es entwickelt sich für einen Jungen, der von nichts weiss, eine dubiose Gier, mit der er nichts Wirkliches anfangen kann.

 

Und es passiert ja unausweichlich irgendwann zum ersten Mal. Erste Tanzveranstaltungen oder Feeten in Party-Kellern, wenn bei langsamen Musiktiteln (Nights in White Satin) die „Tanzpartner “ sich aneinander schmiegen, sich plötzlich begrabschen, sich die Zungen in die Münder stecken, das erste, heftige Küssen.

 

Dabei sind viele Männer geneigt, außer Acht zu lassen, dass den Frauen ja genau dieselbe Geilheit innewohnt. Sie wollen genauso vögeln, gevögelt werden und dazu auch deinen Schwanz lutschen. Auch ein dubioser Punkt: Wieso wollen die das? Ich käme nie auf die Idee, den Schwanz eines Mannes in den Mund zu nehmen. Aber es gibt sogar Frauen, die beim bloßen „Blasen“ einen Orgasmus kriegen.

 

Oder wie kommt man zu der Erkenntnis, dass es viele Frauen viel mehr erregt, wenn man ihre „Möse“ bzw. ihre Klitoris leckt? Und ihnen dabei noch ein bis zwei Finger hinten rein schiebt? Oder sie sogar ganz von hinten vögelt?

 

Was machst du, wenn eine Frau dich auffordert, sie mit deinem Gürtel an ein Heizungsrohr zu fesseln? Muss man da nicht innerlich lachen über diese Situation. Macht Dich das „an“, oder denkst Du: „Wo bin ich hier?“ Oder du knabberst zwecks Erregung an ihren Nippeln herum. Plötzlich verlangt sie „fester!“, du legst mit den Zähnen etwas Druck zu und sie verlangt „noch fester“! Da denkst du doch nur: „Das kann doch niemand aushalten!“

 

Das Irre ist aber, dass es mehr Frauen gibt, als man glaubt, die solches verlangen und begehren. Z.B. Schläge auf den Hintern oder auf die Brüste oder gar ganz von hinten unter dem Vowand, „sie hätten gerade ihre Periode“. „Maso sucht Sado!“ Es gibt sogar Frauen, die es geil finden, beschimpft zu werden. „Gib mir Tier-Namen!“ Sau, Schwein, Hündin, geile Schlange etc. Ein alter Freund kam darüber auf das Antilopenwort „Gnu“, „Du Gnu“! Das fanden wir alle äußerst belustigend.

 

Ich konnte jedenfalls aus meiner erziehungsbedingten Verklemmtheit heraus lange nicht genügend wollig mit Sex und gar mit solchen Perversitäten umzugehen: Über speziellen Geschlechterverkehr vorab zu diskutieren, zu verbalisieren und zu planen. Es fiel mir einfach schwer, einer Frau etwas anzutragen, zu fragen, wie andere das heute wohl ohne Scheu tun. „Wie machen wir es denn heute mal?“ Oder gar: „Wie weit könnte ich denn meinen Schwanz in deine Kehle schieben? Oder: „Stehst du drauf, wenn ich dich an den Bettpfosten fessele?“ Oder noch weiter „Darf ich dich „ein wenig vergewaltigen“? Details, die für mich persönlich nicht relevant sind.

 

1980 hat mich unser kalifornischer Distributor ins Kino geschleppt, „Deep Throat“. Man hätte sich dabei einen runterholen können, aber diese Schwanz-Schluckerei bis in den Hals hat mich in keinster Weise angemacht und nach zwanzig Minuten habe ich gesagt: „Bitte raus hier!“

 

Ich hatte schon mal publiziert, dass die „Aufklärung“ seitens meiner Mutter darin bestand, zu erklären, „dass die Frau da eine Vertiefung zwischen den Beinen hat.“! Heute gibt es Sexualunterricht, sogar Aufklärung seitens der Eltern und jeder hat per Internet Zugang zu jeglichen Pornofilmen und kann sich seine  Inspirationen dazu suchen, wie er / sie den Sex mit dem / der anderem vollführen könnte. Alles, was zumindest nicht weh tut, sollte erlaubt sein. Oder doch noch mehr? Und Sex-Artikel-Läden gibt es ja mindestens seit Beate Uhse. All diese Silikon-Dildos, gar mit Vibrations-Funktion dank integrierter Batterie, auf einer Strippe aufgereite Gummikugeln, Gleitcremes, Handschellen etc. Man könnte sich vorstellen, dass Paare zu solchem Kram greifen, wenn der „normale Fick“ nicht mehr genügend anturnt, wie bei Drogen, die irgendwann ihre Wirkung verringern und zu mehr Konsum verleiten. Immerhin, ich hatte über eine Zeit ein sehr erotisches Verhältnis mit einer Frau, die an allerlei Gefallen fand, aber gleich sagte „keine Hilfsmittel!“

 

Und nach solchen Ficks mit „Hilfsmitteln“: Wie guckt man sich danach, zurück in der „Realität“,  an? „Oh, wie geil war das, als du den Dildo in mich reingeschoben hast!“ Wie kann man das ernst nehmen und seine „Partnerin“ weiter lieben, bewundern, respektieren? Ich frage mich, wie weit diese Offenheit im Sex das, was man „Liebe“ nennt, befeuern kann oder auch gerade nicht. Was ist das, wenn sich alles in eine mechanische Ebene von „Praktiken“ zur gegenseitigen Befriedigung seines Sexual-Objekts verschiebt? Das kann auch eine Langweile erzeugen, die nur mit noch mehr Perversionen wieder zu brechen ist.

 

Aber bitte! Es ist natürlich grundsätzlich essentiell und geil, seiner ungezügelten Lust, der Wollust freien Raum zu geben, die rationalen Ebenen zu verlassen und sich gehen zu lassen.

 

Und die Gier der Menschen zielt nun mal erstens auf Sex und außerdem auf Drogen und auf’s Geld!