Dieter Gölsdorf

Gitarren-Design & Schreiberei
Saiten rauf und Saiten runter

Dieter Gölsdorf aka Atze Rockinger


The Man himself

Vorwort von Heinz Rebellius, 30.3.2020

Dieter Gölsdorf – Gitarren-Designer, Tüftler, Autor, Musiker

„Saiten rauf – Saiten runter“ ist ein wesentlicher Bestandteil des Lebens von Dieter Gölsdorf, dem Mann, der ab 1978 unter Rockinger, ab 1991 unter göldo music und ab 1995 mit Duesenberg Guitars die Gitarrengeschichte revolutionierte.

Der Mann, der einst vielbeachtete Kolumnen in Musikermagazinen schrieb, bevor er seine eigenen Romane in Angriff nahm, hat wie kein anderer die Gitarrenszene Deutschlands nach dem Vintage-Zeitalter geprägt. Zahlreiche Innovationen, tolle Gitarren, beste Referenzen und ein Wirken, bei dem noch kein Ende abzusehen ist, halten die Spannung hoch! Denn wenn einer für Überraschungen gut ist, dann ist das Gölsdorf!

Doch der Reihe nach: Gölsdorf gründete Ende der Siebzigerjahre in Hannover die Firma Rockinger und bot Musikern und Gitarren-Maniacs ein ausgewähltes Programm größtenteils selbst entworfener Replacement-Parts zu korrekten Preisen an. Die ersten Elektrogitarren-Bausätze der Welt zählten dazu, der erste P90 Pickup in Humbucker-Größe und vieles andere mehr. Die Firma startete durch, denn sie lieferten damals als einzige die richtigen Produkte zur richtigen Zeit. Ab etwa 1983 produzierte man mit mittlerweile 16 Mitarbeitern dann auch komplette Instrumente und eigene Gitarrenbodys und -hälse.

Etwas später – 1987 – eröffnete Gölsdorf zusammen mit Thomas Stratmann die legendäre Gitarrenbauschule Formentera Guitars auf der spanischen Mittelmeerinsel Formentera und schrieb Kolumnen für Gitarren-Fachmagazine, die aufgrund ihrer Mischung aus individueller Eigenwilligkeit und geballtem Fachwissen großes Aufsehen erregten.

1991 – da war Rockinger schon Geschichte – gründete Gölsdorf unter dem Namen göldo music eine neue Firma, die in großem Stil Musikalien-Händler und Gitarrenbauer mit Ersatzteilen, Zubehör und Werkstattbedarf belieferte.

Guitars for the Future

Die allerersten Duesenberg Gitarren produzierte er in den 80er Jahren – eher futuristische Metal-Designs, die nichts mit dem zu tun hatten, was wir ab Mitte der Neunziger unter Duesenberg verstehen. Innerhalb kurzer Zeit war die Starplayer TV, die klassische Konstruktionselemente mit auffälligen Design-Details im Art-Déco-Stil und bester Funktionalität verknüpft, in aller Munde.

Ab 1997 wurden zudem unter dem Namen Diego hochwertige Vintage-Repliken bekannter amerikanischer Gitarrendesigns gefertigt, deren legendäre Qualität ab 2008 unter der ebenfalls eigenen Marke Roger bis 2013 fortgeführt wurde.

 „Das war eine ganz schöne Ackerei“, erinnert sich Gölsdorf, der bald, als die Gitarren-Bestellungen aus aller Welt alle Erwartungen übertrafen, 2001 Ingo Renner als Geschäftsführer für seine Firma gewinnen konnte. Das gab ihm den Freiraum, den er für seine Entwicklertätigkeit ausgiebig nutzte. Ein Glücksfall für ihn persönlich und für die Firma, die seit 2005 von beiden gemeinsam geleitet wird. Und heute ist göldo music eine GmbH mit rund 30 Angestellten, Tendenz steigend. Wenn Dieter nicht in Hannover ist, gibt es täglichen Kontakt per Email und Telefon, denn er lebt seit Anfang dieses Jahrzehnts auch in seinem bevorzugten Land – nicht etwa auf Formentera, sondern auf dem spanischen Festland.

Tremolos pflastern seinen Weg

Nicht umsonst sammelt Gölsdorf Vibratosysteme. Irgendwie scheinen die „Jammerhaken“ eine besondere Faszination auf ihn auszuüben und zu immer neuen Taten zu inspirieren. Den Einstieg in die große Welt des Rock ’n’ Roll ebnete ihm nicht umsonst auch sein Vibratosystem – das Rockinger Tru Tune Tremolo, das kein Geringerer als Eddie van Halen als The Edward Van Halen Tremolo in den USA populär machte. Weitere innovative Trem-Systeme folgten dem Tru Tune: Der Les Trem für Les Paul, die verschiedenen Tremola-Systeme für Duesenberg Guitars, die aktuellen Göldo-Systeme, die vom weltweit ersten modularen Tremolo-System gekrönt werden, der DG1-Serie. Nur der Tellybrator für Tele aus dem Jahre 1983 ist bis heute nicht mehr erhältlich.

Weitaus spezieller ist das Multibender-System, das Gölsdorf in Zusammenarbeit mit dem Lap- und Pedalsteeler Martin Huch entwickelte: Ein mit verschiedensten Gitarren kompatibles System, das mit dem Handballen bedient wird, wobei der tonale Bereich, in dem die Saiten sich bewegen, pro Saite unterschiedlich einstellbar ist. Pedalsteel-Sounds und -Moves wie mehrstimmige Bendings sind nach Installation des Mulitbender auch auf üblichen Gitarren möglich…

Hardware für alle Fälle

Gölsdorfs spezielle Mischung aus Kreativität, Wissen und Besessenheit unterstreicht eine Begebenheit, die ich 2001 selbst erlebte. An einem Samstag rief ich ihn an und erwähnte in einem Nebensatz, dass ich gerade eine E-Gitarre mit einer speziellen, neuen Sitar-Brücke hier hätte, die sehr gut klingen würde. Per Telefon spielte ich ihm dann noch ein paar E-Sitar-Sequenzen vor. Einen (!) Tag später klingelte um 20 Uhr das Telefon und als ich abhob, quäkten muntere E-Sitar-Sounds aus Hannover durch den Hörer – Gölsdorf hatte in Windeseile von Samstag auf Sonntag Saitenreiter für den problemlosen Einbau in eine Fender Tele erfunden, die exzellente Sitar-Sounds ermöglichten, und die Prototypen eigenhändig aus kleinen Messing-Blöcken gebaut! Diese später Sitarizer Saddles genannten Reiter sind seitdem ein erfolgreicher Seller des göldo-Programms.

Pickup-Innovationen

Gölsdorf war auch der erste, der P90s in Humbucker-Größe anbot (1978!). Und auch das ausgeklügelte Pickup-System der mittlerweile nicht mehr erhältlichen E-Resonator Duesenberg RezoBro mit einer Mischung aus Blattfeder, magnetischen und Transducer-Pickups ist vermutlich einzigartig auf diesem Planeten. Die Duesenberg SingleTwin-Pickups stellen brummfreie Einspuler in Humbucker und Mini-Humbucker Größe dar. Die Duesenberg Split-Kings sind stylish aussehende Humbucker und realisieren aufgrund ihrer innovativen Konstruktion absolut dynamisch authentische Singlecoil- und Humbucker-Sounds.

Gölsdorf als Musiker

Es stand nie zur Debatte, dass Gölsdorf seine aktive Musikerkarriere zugunsten anderer Tätigkeiten ad acta legen würde. Vielmehr spielt die Musik nach wie vor eine wichtige Rolle in seinem Leben. Er, der mit seiner damaligen Band „Rollinger“ in den Neunziger Jahren dreimal im Vorprogramm von B.B. King auftrat, hat sich irgendwann dem Vermächtnis von Jim Morrison und The Doors angenommen. Zu Anfang dieser Phase spielte er mit seiner Band „Duesenberg“ das Album ‚Morrison & More‘ ein, auf dem sich Songs von Jim und Van Morrison wiederfanden. Später in Madrid konzentrierte er sein Repertoire ausschließlich auf das Werk von The Doors und veröffentlichte zusammen mit seiner s Band „Los Dooros“ 2018 das Album ‚Jim´s Legacy‘, nur um 2019 mit ‚Jim´s Vermächtnis‘ noch einen draufzulegen. Denn hier singt Dieter die Doors-Songs tatsächlich auf Deutsch.
Alle CDs sind im Göldo-Shop erhältlich, im Kapitel „Literatur & Audio“.

Hier drei Links (nicht wundern – im Internet taucht Gölsdorf bisweilen unter seinem Pseudonym „Fred Gerdes“ auf.



http://www.losdooros.com/videos/los-dooros-en-el-estudio-black-betty-madrid/

Dieters CDs


Gölsdorf als Autor

Dass Gölsdorf vor langer Zeit als „Atze Rockinger“ Kolumnen für Gitarren-Fachmagazine schrieb, wurde schon erzählt. 1998 erschien im eigenen Verlag Panama Publications der Balearen-Roman ‚Angst & Schrecken auf Formentera‘, sowohl in deutscher als auch englischer Version. 2003 folgte ‚Formentera Fieber‘, sein zweiter Balearen-Roman, den er mit seinen eigenen Worten wie folgt beschreibt: „Ein unterhaltsamer Roman rund um Sex, Drugs & Rock´n´Roll, gespickt mit allerlei Insidertipps für die Insel Formentera. Ein Reiseführer-Roman ganz anderer Art.“ Wieviel Autobiografisches in den beiden Romanen steckt, kann man nur vermuten, aber wahrscheinlich ist der Anteil größer, als man denkt. Schräger als die Polizei erlaubt ist Gölsdorfs Dokumentation über die kultige TV-Serie ‚Kottan ermittelt‘ geraten. Erschienen 2007, klärt Gölsdorf auf mehr als 430 Seiten alle offenen (und vermutlich bs dato auch nie hinterfragten) Unklarheiten rund um diese Serie auf.

Doch damit nicht genug! Denn warum soll man, wenn man schon mal einen Verlag gegründet hat, nicht auch fremdgeschriebene Bücher veröffentlichen? Gesagt, getan – Gölsdorf erweiterte über die Zeit mit exklusiven bis explosiven Büchern von u.a. Ex-RAF-Mann Bommi Baumann und Sax-Mann Olaf Kübler den Katalog von Panama Publications.

Derzeit – Stand 2020 – arbeitet Gölsdorf übrigens an seiner eigenen Biografie – und da darf man nun wirklich gespannt sein, was hier zur Sprache kommen wird! Und was nicht…

Alle Bücher sind natürlich im Göldo-Shop erhältlich, im Kapitel „Literatur & Audio“.

 Dieters Bücher
Heinz Rebellius, 30.3.2020