2022 - Neue Hoffnung!

ansonsten: Corona-Wirrwarr, unerlaubte Parties, Grenzübertritte und Größenwahn ...Das fängt ja gut an!

Mal abgesehen von denen da oben: Welch Zeiten sind das überhaupt? Seit zwei Jahren keine Reise mehr, zumindest nicht ins Ausland, außer 2021 zwei nervige Kurztrips von Madrid nach Hannover zwecks Impfungen, wobei ich anlässlich der zweiten Impfung im Juli vier Stunden danach in der Firma umgekippt bin, bumms, Licht aus für kurze drei Sekunden! So könnte ein schöner Tod sein! Das EKG der Sanitäter meldete nach jeweils ca. 20 Herzschlägen einen Doppelschlag, ab in die Medizinische Hochschule. Da liegt man verkabelt auf einer Bahre und hört aus dem Hintergrund dieses EKG-Ticken, und schon nach guten 40 Minuten wars vorbei mit den Doppelschlägen. Ich also auf den Flur gebrüllt: „Ich will hier raus!“ Nachdem ich ein Papier unterschrieben hatte, mit dem ich meine alleinige Verantwortung garantierte, ließen sie mich widerwillig gehen. Taxi zurück in die Firma, hinein in unseren neuen Firmen-Elektro-Renault und ab in mein Quartier. So ein Elektroauto ist schon was Feines. Unglaubliche Beschleunigung! Kann man locker jeden Porsche mit abhängen. Zumindest an der Ampel …

Und vor allem: Kampf den Dreimal-Zuschließern, Leere-Flaschen-Zudrehern, Nicht-Entsorgern von leeren Klopapier-Rollen und Zurück-in-die-Schachtel-Legern von abgebrannten Streichhölzern!


Ansonsten: Zeit für weitere Verrücktheiten!

Womöglich eine der besten Gitarren der Welt!


2020/21:

2020 war geschäftsmäßig unser bisher bestes Jahr. Klar, alle Musiker saßen eher untätig zuhause und haben sich bei ihren Läden und Versendern Sachen bestellt, die sie sich sonst vielleicht nicht gegönnt hätten: Unmengen von Lapsteels haben wir verkauft und alles andere auch. Und 2021 war es sogar noch besser für uns, kaum zu fassen!

Im Juli 2021 hatte ich meine Madrider Werkstatt aufgegeben und das Meiste nach Cádiz transportieren lassen. Für die drei Monate, die ich in Madrid weile, war das einfach zu viel Geld für Miete, Strom, Versicherung etc. Denn Cádiz verlässt man besser nur im Juli und August, weil zu viel Trubel und Touristik, und genießt die wohltuende Ruhe in Madrid, wo so gut wie alle Bewohner weg sind, nämlich an Spaniens Stränden. Und Ende Dezember bis Ende Januar hat Madrid auch seine gute Seite und man kann allerlei Dinge erledigen.

Nur durch die nun fehlende Werkstatt fühlte ich mich ein wenig entwurzelt. Es nervt mich, wenn ich eine gitarrentechnische Idee habe und die nicht sofort umsetzen kann. Was mir blieb, war allerlei Teile (insbesondere Tremolo-Komponenten und Gitarren-Designs) am Computer zu entwerfen und metallene Muster bei mehreren CNC-Firmen zu bestellen, um die dann im Februar in meiner Cádizer Werkstatt auf Herz und Nieren checken zu können. Das kann auch spannend sein und außerdem habe ich wieder angefangen allerlei Bücher zu lesen. Wie schön auch das neue Buch von Fargo-Peter über die Krautrock-Szene in deutschen Landen, samt seiner Erfolge mit Fargo und Victory nebst Vinnie Moore. Absolut lesenswert!

Weiter im Design: Könnte die beste Gitarre der Welt werden! Was meint Ihr?

Meine „Erfindung“ des Trans-Tremolos, bei dem während des Tremolierens die Intervalle der sechs Saiten erhalten bleiben, musste leider mal wieder in die „Garage für ausgemusterte Erfindungen“ – siehe Daniel Düsentrieb. Das hat zwar funktioniert, war aber durch die erhöhte Auslenkungskraft der Saiten, welche zu hoch über dem Achsmittelpunkt unserer Tremolo-Achse liegen, einfach zu schwergängig. Aber ich gebe nicht auf!

Stratomatic Revolution

Stattdessen arbeite ich derzeit an einem neuen „Strat“-Tremolo, welches wesentlich weicher und effektiver funktioniert und trotzdem die heftigsten Up-und Down Bendings erlaubt. Dazu hat es neueste Features wie das Top-Loading der Saiten, eine auf Länge adjustierbare Hebelkappe, zwei konische Messing-Bolzen anstelle eines herkömmlichen Tremoloblocks und womöglich noch einen Zero-Stopper, mit dem man bei Bedarf z.B. die tiefe E-Saite einen Ton herunter stimmen kann, ohne dass dabei die anderen Saiten aus der Stimmung geraten. Ihr könnt gespannt sein!


Verluste im „normalen Leben“

The Walking Dead hatten wir schon letztes Jahr bis spät in die Nacht geschaut. Jetzt sind wir bei Fear The Walking Dead, weil es das gerade ab der ersten Folge bei unserem spanischen Provider gibt. Da reden sie von „bitte wieder zurück ins normale Leben!“. Aber was ist denn dieses „normale Leben“ überhaupt?

Mit 16, also etwa im Jahr 1968, hatten wir an der Schule eine Volleyball-Gruppe und frönten jeden Mittwoch um 17 Uhr diesem Sport. Meine Eltern hatten schon einen Fernseher, was damals noch nicht  „normal“ war, und mit einigen aus unserer Gruppe begaben wir uns danach zu mir nachhause, um Mini Max zu sehen, eine Serie mit dem Agenten Maxwell Smart und seiner Kollegin „118“. Das war unser Ritual – jede Woche, genau an diesem Tag und zu dieser Stunde! Es gab kein Streaming, keine Aufzeichnungsoption, nichts weiter. Wenn man diese Serie sehen wollte, dann genau Mittwoch um 18.30 Uhr. Und wir haben das total gefeiert und genossen. Das war damals „das normale Leben“?

Und was ist heute, insbesondere nach COVID, nachdem Anfang 2020 diese Pandemie ausbrach? Dieses geliebte „normale Leben“, was für Viele nach dem Zweiten Weltkrieg immer etwas Positives bedeutete, ist bis heute nicht zurückgekehrt. Und Fear The Walking Dead, diese Serie, in der das normale Leben aufhörte, haben sie bereits ab dem Jahr 2015 gedreht, vor all dem. War das eine Vision?


Diese Gedanken kamen mir, als wir kürzlich hier in Cádiz wieder mal mein Lieblingsrestaurant „El Faro“ besuchten. Das Restaurant ist eher unbedeutend, aber es hat eine Bar, in der vorher das pulsierende Leben abging. Immer gerammelt voll. Getränke und Tapas wurden von den Barkeepern auf die Theke gestellt und weiter durchs Getümmel von Gästen ein Stück weiter zu den Bestellern gereicht, Kommunikation und Frohsinn unter allen, ein Tick von bürgerlichem Rock’n’Roll, eine geile Bar. Aber seit Beginn der Pandemie war es untersagt, überhaupt etwas an der Theke einzunehmen. An der Fensterwand wurden hohe Stehtische aufgestellt, und ein Bereich hinter der Bar, der wohl vorher Restaurantbereich war, wurde zum Barbereich umgewandelt, mit  Tischen und Stühlen. Seitdem ist der eigentliche Barbereich anstatt von 50 Gästen nur noch von höchstens zwölf Leuten belegt. Und eine Menge Leute (auch viele langweilige Touristen, die hier vorher nicht mal einen Platz gefunden hätten) sitzen hinten in diesem neuen Bereich, augenscheinlich eher ein Reservat. Keine Kommunikation mehr mit den „normalen“ Leuten und den immer noch Masken tragenden Kellnern, die sich jetzt zwangsläufig mehr andernorts bewegen müssen.

Genau das ist der Verlust, den wir heute leider verzeichnen müssen, der Verlust von fröhlicher Kommunikation! Und den meisten ist das wahrscheinlich nicht mal bewusst.

G-Trem Stopper - die Kür!


Sodala, jetzt aber! Hier ist der Zero-Stopper auf dem neuen Tremolo. Wenn der aktiviert ist, kann man z.B.  die tiefe E-Saite auf D runterstimmen, und alle anderen Saiten bleiben in Stimmung wie vorher!

Alte Sachen: Rockinger "Lady"

Mein allererstes Gitarren-Design aus dem Jahre 1978, meiomei! Glücklich konnte ich dieses Juwel in ramponiertem Zustand ergattern, habe sie rosa-pink neu lackieren lassen und einige Parts nachgebaut. Außerdem hat sie fastoriginalerweise die ClipHaus-Mechaniken. Irgendwie hat’s mir diese 1-Pickup „Lady“ immer noch angetan und ich sinne darüber nach, ob man die nicht in kleiner Auflage neu auf den Markt bringen könnte. Immerhin war mein alter Freund Carl Carlton der erste, der die gespielt hat! Und sie ist immerhin in einigen amtlichen Gitarrenbüchern aufgetaucht.

„Lady’s first“ …

Enrico Di Donato - auch andere machen scharfe Gitarren!