2012 - Joe Walsh, Tremolos, Wandré

2012 - wie immer erstmal NAMM

Diesmal waren die beiden hannöverschen Filmemacher Olaf Neumann und Steffen König mit von der Partie. Olaf ist hauptberuflich Musik-Journalist und hatte sich in den Kopf gesetzt, mit Steffen (dieser eigentlich eher Werbefilmer) einen Film über die Gitarre unter besonderer Berücksichtigung der Marke Duesenberg zu machen.


Neben allerlei Sight-Seeing samt Besuch des faszionierenden Joshua-Tree-National-Parks interviewten die beiden eine Menge bekannter Musiker auf der NAMM-Show.


wild life on the booth ...


und immer gehaltvolle Nahrung ...


und Dieter durfte auf dem Ballroom-Konzert auch was spielen ...





Lilientalstr. 2 und die gesamte Crew


Die neue Lackier-Kabine

Wir konnten freudig und mit guten Auftägen nach Hannover zurückduesen. Arijan hatte mittlerweile die neue Lackierkabine klar gemacht, die endlich einen vernünftigen Abzug nach draußen hatte. Alles lief wie am Schnürchen.

Neue Workbench im Obergeschoss

Meine persönliche Werkbank hatte ich in mein Büro verlegt, mit dem Hintergedanken, dass ich eh nicht mehr allzu oft hier aufkreuzen würde. Und das Büro war immer noch groß genug für alles.


Frankfurt

Unser vorletzter Auftritt auf dieser Messe. Der Schallpegel in den Hallen hatte sich derart erhöht, dass man bisweilen sein eigenes Wort nicht mehr verstehen, geschweige denn ordentlich Geschäfte mit unseren Partnern machen konnte.

News

Fullerton Doppel-Cutaway Modelle waren angesagt. Dazu eine TV-Custom mit drei Pickups sowie ein fretless D-Bass.


Und mit Joe Walsh waren wir weiter dabei. Außerdem der Motown-Bass mit drei Alnico-Blade-Pickups und neue Lap-Steel-Designs.


back to Madrid

Meine Dreh-, Fräs-, und Sägeabteilung funktionierte bestens und ich machte mich wieder an neue Designs.


Und die Metal-Top-Gitarren, wie sie Mr. James Trussart herstellt, hatten es mir irgendwie angetan. Dazu hatten wir mit der Montage der Resobros einen erheblichen, vorher nicht kalkulierten Zeitaufwand, sodass ich mir Gedanken machte, wie man diesen Sound auf noch einfachere Weise reproduzieren konnte. Eine Ganz-Metall-Decke mit eingepresster Wölbung  für die statische Stabilität, von der man wieder von unterwärts den metallischen Sound abnehmen könnte.


Italia

Der Mai ist einer der besten Monate für eine Italienreise mit dem Auto.

Vorwort

Aldo ist Italiener und war in den frühen 1980er Jahren Kellner im „Milano“, meinem damaligen Lieblingsrestaurant in Hannover. Aldo war aufmerksam, sympathisch und zuweilen recht unterhaltsam. Insbesondere, wenn er ganz unvermittelt ein vermeintliches Ärgernis nachstellte: War er sich der Aufmerksamkeit einiger Gäste bewusst, ging er schnurstracks auf deren Tisch zu und trug dabei mit ausgestreckter Hand eine Espressotasse (auf einer Untertasse nebst Löffel) gut sichtbar vor sich her. Ganz normal …

Unsichtbar für jedermann, dass die Tasse leer und der Löffel im Henkel „eingehängt“ war.

Am Tisch angekommen, simulierte er ein Stolpern, wobei die Gäste am Tisch regelmäßig in Panik aufschrien. Ein Espresso ist bekanntlich heiß und hinterlässt auf der Kleidung ärgerliche Spuren.

Erst als sich die vermeintlichen Opfer beruhigt hatten, Schmerzenslaute und ärgerliche Flecken ausblieben, hatten sie begriffen, dass rein gar nichts passiert war. Die Tasse war eh leer und baumelte harmlos am Löffel, den Aldo mit dem Daumen auf der Untertasse festhielt.

Die anfänglichen Panikschreie gingen nahezu nahtlos in lautes Gelächter über. Manchmal sogar in Applaus.

Derart beliebt bei seinen Gästen, war es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis Aldo sein eigenes Restaurant eröffnete. Und zwar in Isernhagen, ein Sammelbecken für Neureiche vor den Toren Hannovers gelegen.

Aldos Frau, Luana, stammt aus Pesaro, einem Städtchen an der italienischen Adriaküste, dem Geburtsort von Rossini. Ihm zu Ehren gibt es dort eine Musikhochschule und ein alljährliches Opernfestival. So kann man aus den Fenstern der Häuser oft vernehmen, wie die Musikstudenten ihre Geigen- und Cellopartituren üben. Außerdem fand dort bis vor circa 25 Jahren eine Musikmesse statt, weshalb ich 1985 zum ersten Mal in dieses wunderhübsche Städtchen kam. Musik, Musik, Musik …

In Pesaro betrieb der Bruder von Luana, Lorenzo, ein feines Restaurant namens Bristolino. Ausgefuchste italienische Küche mit Schwerpunkt Meeresfrüchte. Darüber hinaus gibt es in Pesaro in einer schlichten Osteria die beste Pizza "bianca", die ich je in meinem Leben gegessen habe. All das zusammen ist Grund genug, , dass ich auf Italienreisen immer gern einen Abstecher nach Pesaro mache. So auch dieses Mal.

Telefonisch hatte ich unter "Dieter-Atze - Freund von Aldo und Luana" einen Tisch reserviert. Das Bristolino ist ein flacher Vorbau des Hotels Bristol, mit etwa 300qm Grundfläche. Alles perfekt dekoriert, wenn auch mit einem merkwürdigen Hauch asiatischen Einschlags, alles irgendwie auf schickimicki getrimmt.

An der Tür als erstes die Frage einer kleingesichtigen, zierlichen Frau um die fünfzig: "Reservato?" "Si, de nombre Atze". Sie bat uns an einen Tisch nahe der Eingangstür. Alsbald kam das bestellte Wasser und ein Pizzabrot, in das einige Cherry-Tomaten vor dem Backvorgang eingedrückt waren. Lecker und unerwartet sättigend … während wir auf eine Flasche regionalen Verdicchio Weißweins warteten.

Endlich kam Bruder Lorenzo, der Gott des Fresstempels, um sich kurz vorzustellen. Ohne zu wissen, "outete" ich mich als Freund von Aldo und Luana, indem ich herzliche Grüße von seiner Schwester ausrichtete. Doch das war offenkundig ein Fehler. Lorenzo hatte null Interesse an Grüßen von der Schwester aus Hannover. Irgendwas lief hier heftig unrund. Einzig vorstellbare Erklärung: Auf Drängen Luanas war auch Aldo vor ca. 20 Jahren den Zeugen Jehovas beigetreten. Durch diese Torheit hatte er einen Haufen äußerst zahlungskräftige Gäste verloren, und daraufhin auch die Qualität seiner Küche etwas herunterfahren müssen. Darüber hinaus vermute ich aber, dass sich über diesem Sektenquatsch auch das Verhältnis zu seinem Schwager Lorenzo verschlechtert oder gar egalisiert haben könnte. Aber dies wäre, wie sich alsbald herausstellte, auch das Einzige, was man hätte Lorenzo zugutehalten können.

Nach einem kurzen, dezenten Handschlag ging er zur Tagessordnung über und stellte uns verschiedene Empfehlungen vor. Also keine Karte, keine Preise, nur Vertrauen.

Aber das ist okay für mich, wenn Essen, Trinken und Ambiente in Ordnung sind. Der Chef erklärte, dass seine Küche vom Allerleichtesten sei und empfahl, mit einer gemischten Meeresfrüchte-Platte zu beginnen. Und als Secundo orderten wir Seeteufel-Filet aus dem Ofen. Alles klar, die Vorspeisen würden ohnedies auf einer großen Platte serviert und wir könnten selbst wählen, wer was essen wollte, oder nicht... Gut soweit.

Es kam aber keine große Platte, sondern als erstes ein Teller mit Schwertfisch-Carpaccio-Scheiben. Sehr dekorativ mit Granatäpfelkernen angerichtet – aber nicht bestellt. Kurz darauf kamen gambas ala catalan auf den Tisch, halbierte Scampis – ebenfalls nicht bestellt.

Wir hatten den Sättigungsgrad bereits erreicht. Und die Jakobsmuscheln standen uns noch bevor. Platz im Magen für den Seeteufel war jedenfalls nicht mehr. Vor diesem Hintergrund haben wir den Seeteufel abbestellt. Kein Problem … möchte man meinen.

Doch die kleingesichtige Kellnerin nahm das eher entsetzt und nahezu ängstlich zu Protokoll und äußerte sofort Zweifel, ob dies mit der Küche noch zu bewerkstelligen sei. Aber ich bekräftigte unser Anliegen. Da wir Seeteufel „aus dem Ofen“ bestellt hatten, könne es – angesichts einer gewissen Garzeit – schließlich nicht sein, dass er bereits im Ofen sei. „Logisch, oder?“

Es folgten 50 Minuten Stress, in denen die Kellnerin mehrere Male mit weinerlichem Gesicht an unseren Tisch kam, um uns zu verstehen zu geben, dass sie bei der Stornierung in der Küche auf erheblichen Widerstand gestoßen sei: Das Bestreben einer diplomatischen Pattsituation zu unseren Ungunsten. Die zwischenzeitlich servierten Jakobsmuscheln sollten als Vorwarnung dienen: typische Tiefkühlware, ohne die sonst üblichen orangenen Fortsätze, gratiniert mit Zwiebeln und Semmelbröseln, das Muschelfleisch mit leicht fischigem Charakter. Jetzt hatten wir die Nase voll und auch keine Lust mehr, weiter über den stornierten Hauptgang zu diskutieren. Paloma verließ das Restaurant umgehend, suggerierend, draußen eine Zigarette rauchen zu wollen. Mit Blick auf den Nebentisch tat ich so, als würde ich Geldscheine unter die Weinflasche schieben, ging auf die Toilette, schnappte mir beim Zurückkehren meine Jacke, und so waren wir verschwunden. Bye, bye Bristolino!

Am nächsten Morgen kam ein Anruf mit italienischer Nummer. Vermutlich Bruder Lorenzo. Klar, der hatte von der Reservierung her meine Telefonnummer gespeichert. Aber da waren wir bereits in Richtung Toscana unterwegs. Ich habe den Anruf einfach weggedrückt, ignoriert, wie mein Seeteufel-Storno. Leck mich doch …

Daniel, Formentera-Lyon

Mein Freund Daniel, Spitzname "Luigi", Schweizer und derzeit auf Formentera lebend mit seiner Frau Maria, gab Kurse an einer Wirtschafts-Uni in Lyon. Der hatte die Idee, im nächsten Kurs mit seinen Studenten eine Studie zu entwickeln, wie man denn Duesenberg in den südamerikanischen Ländern vermarkten könnte. Dazu bat er mich, ein Video mit einem kleinen Vortrag meinerseits zu drehen. Hier ist ein Teil davon:

2012-07-McAlister

Im Juli 2012 kam uns dieser mindestens zweifelhafte niedersächsische Ministerpräsident McAlister auf seiner Wahlkampfreise besuchen. Was soll man heute noch halten von Politikern, bitte sehr? Das war natürlich trotzdem gute Publicity für uns, reichlich Presse- und Medienpräsenz, aber irgendwie ging es mir gegen den Strich.

Danach erschien ein recht treffender Zeitungsartikel und im Anschluss eine dümmliche Notiz auf einer Internet-Seite „ich, Dieter Gölsdorf, konnte nun bei McAlister meine Sorgen loswerden“. Sowas kann mich aggressiv machen, weil ich überhaupt keinerlei „Sorgen“ hatte und dieser CDU-Minister da als „helfende Hand“ dargestellt wird – entgegen aller Wirklichkeit. Diesen Leuten habe ich am selben Tage noch eine geharnischte E-Mail geschrieben, sinngemäß: „Welcher Idiot sich da entblöden konnte, so einen Unsinn zu veröffentlichen“. Politiker und Journalisten – Vorsicht!

Clip-Haus



Leider schloss die Fabrik, die uns diese Tuner gefertigt hatte, ihre Pforten, sodass wir Clip-Haus erstmal auf Eis legen mussten.

Perloid, massives Zelluloid

Ich fand diese Pearl-Zelluloid-Bindings der Höfner Jazzgitarren immer wunderschön. Sowas konnten wir auch gebrauchen. Also haben wir uns massives, 2mm starkes Zelluloid in dieser Vintage-Pearl-Optik anfertigen lassen. Das sieht für meinen Geschmack super edel aus, im Gegensatz zu diesen kitschigen Abalone-Verzierungen.

Tremolitis

Es gab da auf ein paar italienischen Gitarren der Marke „Zerosette"ein äußerst simples Tremolo mit einer Pin-Point-Lagerung, welches wunderbar weich funktionierte, ohne dabei aus der Stimmung zu gehen. Nur hatte das wieder diese typischen „europäischen" Fehlerchen: zu geringer Saitenabstand, zu hoch gebaut (schlechter Andruckwinkel auf die Brücke), ein sehr leicht zu verlierender  und in der Neigung nicht einstellbarer Hebel. Da habe ich mich dran gesetzt und alle Details perfektioniert. Das haben wir erst einige Zeit später in diversen Bauformen in Produktion gegeben.

Single Twins – Zunächst eine böse Überraschung!

Alle bisherigen Versuche, Single-Coils „brummfrei“ zu machen, erwiesen sich bei näherem Soundcheck als unbrauchbar. Alle möglichen Firmen hatten das versucht und angepriesen als die Erleuchtung. Zwei Spulen übereinander, nebeneinander, was immer. Selbst wenn der Klang dieser Pseudo-Entwicklungen einem Single-Coil sehr ähnlich war, fehlte letztlich das Attack, die Dynamik beim Anschlag – laut und leise.

So kam ich auf die Idee, wie bei einem Precision-Bass-Pickup zwei gegenpolige, vertikale Spulen in einem Strat-Pickup-Gehäuse unterzubringen. Das ging und es klang super, genau wie ein echter Single-Coil. Und dann die böse Überraschung: Als ich die G-Saite nach oben in Richtung D-Saite zog, löschte sich der Ton aus. Scheiße! Das musste von dem gegenpoligen Magnetfeld kommen, das sich zwischen den Saiten ergibt. Einzige Lösung: die Spulen schräg versetzt zu positionieren, sodass die Magneten weiter auseinander liegen. Passt natürlich nicht mehr in ein Single-Coil-Gehäuse. Aber für einen Fender-artigen Pickup möglich in einem Mini-Humbucker-Gehäuse und für einen P-90 (größere Ausmaße in einem Humbucker-Gehäuse). Wie soll man das nennen? Idee: Single Twins! So sind sie entstanden, der P-90 als authentischer Humbucker und der Mini-Single-Twin als „Fender-Sound“-Replacement.

Um mal die Sounds in authentischer Weise vergleichen zu können, habe ich zwei superbillige, chinesische Strats mit Plexiglaskorpus geordert. In diese habe ich das bereits vorhandene, sogenannte „Butterbrotfach" nach außen aufgefräst und dann Einsätze gefertigt, verschiedene Pickups unterbringen zu können. Plexiglas fräsen ist eine Sauerei, weil dieses Material sich beim Abspahnen elektrisch auflädt und sich überall hinsetzt, wie magnetisch angezogen. Achtet auf meinen Arm und mein Hemd.

Diese Maßnahme hat sich mehr als gelohnt. Die Pickups in Produktion zu bringen, war jedoch ein beträchtlicher finanzieller und arbeitstechnischer Aufwand: Magnete in speziellen Abmessungen ordern, Spulenkörper lasern lassen, eine neue Neusilber-Kappe samt Bodenblech für die Mini-Version und diverse Prototypen mit meiner kleinen Wickelmaschine herstellen. Aber es hat geklappt. Für einen guten Sound ist nichts zu aufwendig und nichts zu teuer!

Parts & Design

Ein Bigsby-Tremolo ohne Niederdruckrolle kann fatal sein, insbesondere wenn man auf einer Les Paul ein B5 installiert, weil da keinerlei Andruck der Saiten auf den Steg vorhanden ist. Die Saiten werden ja oben herum über die Achse mit den kleinen Pins für die Ball-Ends geführt. Installiert man dagegen ein B7, ist die Niederdruckrolle dermaßen nah am Steg, dass das schon wieder zu Reibungs- und Verstimmungsproblemen führt. Deshalb die Idee: ein kurzes B5 und eine verstellbare Niederdruckrolle, die in den Bolzen des vorher entfernten Stop-Tailpieces verschraubt wird. Und dann kreierten wir noch diese dekorativen Unterlegplättchen für Potis und Toggle-Switches, die einfach weitaus wertiger aussehen als z.B. das Les Paul Treble/Rhythm-Plate. Und eine Abdeckung für Fender-Schalter, alles schön verrundet, transparent und von unten per Siebdruck schwarz-gold bedruckt.

Thumb-Wheels und Endpins im „Three-Step" Duesenberg-Design.

Radiator-Tremolo

Unsere Tremolas eigneten sich wegen ihrer etwas breiteren Bauweise (besseres String-Spacing) nicht als „Direct-Replacement" für Bigsby-Tremolos. Also kam ich auf die Idee, ein neues Design zu entwickeln, das von der Breite und den Positionen der Befestigungsschrauben halbwegs Bigsby-kompatibel sein sollte. Dabei kam mir der wunderschöne, alte BMW-Kühlergrill in den Sinn. Machen wir das mal mit diesen innen liegenden Verstrebungen! Und der Part, der hinten über der Zarge liegt, bekam eine Art Hummerschwanz-Optik. So ist das Radiator (Kühlergrill)-Tremolo entstanden. Mein absoluter Favorit in  Sachen „Duesign"!


Wir produzierten ja unter unserer Roger-Marke auch Fender-Replacement-Teile, also Hardware, Pickups, Bodies und Hälse. Immer der Ärger mit den Design-Patenten, die nun über sechzig Jahre alt waren. Einige Jahrzehnte wurde das weltweit von allen Kopiisten ignoriert, bis Fender bzw. die jetzige Inhaber-Firma da einen rechtlichen Weg gefunden hatte, einige ihrer „Formen" nachträglich wieder zu schützen. Sehr fragwürdig aber natürlich problematisch, weil niemand von diesem Giganten verklagt werden will. Also hatte ich zwei Ideen, das Headstock-Design zu verändern:

1) Die Linie, die man hier unterhalb des Roger-Logos sieht, hat bei einer Strat eine leichte Wölbung. Und auch die „Ecke", wo es in das kreisförmige Ende übergeht, hat einen weitaus größeren Innenradius. Also habe ich diese gewölbte Line geradegezogen und den Innenradius extrem verkleinert, was man übrigens mit der 50er-Jahre-Frästechnik technisch praktisch gar nicht machen konnte. Dazu habe ich diesen elliptischen Teil unten drunter auf halber Höhe angesetzt. Für meinen Geschmack sieht das sogar edler aus als das Original.
2) Version 2 war genauso, aber ohne diesen halbhohen elliptischen Teil. So kann man sich an geschützten Designs vorbeimogeln!

Hier auch unser Tremolo mit den Sättelchen, die beidseitig eine „Deluxe"-Gravur hatten. Das boten wir mit verschiedenen Tremoloblöcken an: Stahl, Messing und Aluminium. Und die Blöcke waren auf halber Höhe schräg abgefräst, sodass man das Tremolo weiter nach unten drücken konnte, bis es gegen die Fräsung im Body stieß.

Piezo-Bridge

Für diese Brücke wurde unsere elegante Tunamatic-Bridge von unten abgefräst, um sie als Oberteil unserer speziellen Piezo-Brücke zu verwenden, die ja in einem u-förmigen Unterteil sitzt und nicht höher als eine „normale" Tunamatic sein sollte. Heinz Rebellius und Daniel Frantz hatten einige Jahre später die geniale Idee, die Bridge - so flach, wie sie eben war - als sogenannte „Low-Rider-Bridge" zu vermarkten, nämlich für Gitarren, auf denen man eine „normale" Tunamatic wegen ihrer zu hohen Bauhöhe nicht verwenden konnte.
Dann hatten wir diese Telecaster-Control-Plate mit den wesentlich komfortabler positionierten Kontrollen, schicke, neue Verpackungen mit Sichtfenster und als „neues" Produkt ein schon vor über zwanzig Jahren entwickeltes Rundstab-Trussrod mit Dual-Funktion, welches  ermöglichte, den Hals in beide Richtungen konkav oder konvex zu verstellen.

Alnico Blades

Die Pickups der Gibson-Melody-Maker haben mir schon immer gefallen. Eine preiswert herzustellende Konstruktion wie ein Fender-Pickup. Aber anstatt der sechs zylindrischen Magneten ein Alnico-Block-Magnet. Das klingt sehr ähnlich, aber etwas kräftiger. Und die Saiten werden überall gleichmäßig abgenommen. Schön auch in unseren offenen Neusilber-Kappen!

Trans Trem

Diese Sache ließ mich nicht los. Verdammt, wieviele Stunden, Tage und Wochen habe ich damit verbracht? Aber dieses Projekt endete bisher immer mit Verstimmungsproblemen. Mal sehen, irgendwann werde ich das noch zur Perfektion bringen! Aber bisher: Garage!

Flutsch

Warum muss das Halsende immer in einer Korpus-Hals-Tasche befestigt sein, die genauso breit wie der Hals ist? So kommt man nie ungehindert hinauf bis zum letzten Bund. Also die Idee: die Halstasche einfach auf der Seite der drei hohen Saiten wegnehmen! Und die Halsprofil-Rundung einfach auf derselben Seite bis zum Ende durchfräsen. Früher hätte man da womöglich Probleme mit der Stabilität der Verbingung vermuten können. Aber durch die heutige CNC-Technik lässt sich das derart präzise fräsen, dass die Seite der drei tiefen Saiten problemlos fest an der Halstaschenkante anliegt. Zwei kräftige Schrauben sind da durchaus genug, dass sich nichts mehr bewegen kann. Endlich im Jahr 2020 ist das dann auch in eins unserer Solid-Body-Serienmodelle eingeflossen.

Wandritis

Nach dieser ersten Wandré-Erfahrung in Paris  haben mich diese Kreationen des Herrn Pioli extrem verrückt gemacht. Ich erinnerte mich wieder dieser beiden Geschenke meines römischen „Magnetics"-Freund Pierro, der mir Body und Hals einer „Bikini"-Gitarre vermacht hatte. Die habe ich aus einer Kiste herausgekramt, um daraus eine wenigstens halbwegs authentische Rekreation zu machen. So sieht das komplette Original aus, für das man heutzutage mindesten € 25.000 anlegen muss.


Es fehlte sämliche Hardware und Elektrik samt Pickups und auch der anzuflanschende ovale Lautsprecher. Aber den brauchte ich auch nicht wirklich, weil Dieter im Besitz diverser Amps! Hier also mein kümmerlicher Besitz:

Das Schwierigste war, das Pickguard irgendwie nachzuempfinden. Ich sägte eine entsprechende Form aus unserem wunderschönen Vintage-Perloid aus und umrahmte die mit einem verchromten Plastikprofil – was wohl im Internet eher für irgendwelche Autoersatzteile angeboten worden wäre. Dann installierte ich ein Volume-Poti in Form eines Rändelrades und einen 3-Weg-Schalter oberhalb der Pickups, die in unseren speziellen „Senior"-Gehäusen saßen. Die Original-Wandré-Pickups hatte ich ja (noch) nicht, aber es sollte doch schon möglichst „vintage" aussehen. Das „W"- Logo habe ich aus einer Aluminiumplatte ausgesägt, geschliffen und poliert und hinter den Steg auf dem durchgehenden Alu-Hals montiert. Als Brücke habe ich unsere 12-Saiter-Bridge installiert, weil man da die Saiten etwas näher zusammenlegen konnte.


Unterhalb dieses durchgehenden Aluminium-Halses befand sich außerdem ein durch den gesamten Body verlaufendes Alumium-Rohr, welches dazu bestimmt war, eine Vielzahl von diesen dicken 1,5-Volt Batterien aufzunehmen, die den Verstärker im ovalen Lautsprecherteil mit Elektrizität zu versorgen hatten. Das habe ich auf beiden Seiten mit selbst gedrehten, passigen Aluscheiben verschlossen und darin zwei Endpins montiert.

Und da war er, dieser verrückte Vogel!

Wandré und Marco Ballestri

Und es gibt da einen Marco Ballestri, Arzt in einer Klinik in Modena, der den Schöpfer Antonio Wandré Pioli ein Jahr lang bis zu seinem Tode gepflegt hat. Die beiden haben sich über diese Zeit sehr angefreundet, und der Wandré hat ihm seine kompletten Archiv-Unterlagen überlassen. „Wandré" ist übrigens ein Spitzname, den ihm sein Vater (Gitarrenbauer) gegeben hat, weil der kleine Antonio Wandré Pioli zu oft irgendwo im Wege stand. „Wandré" bedeutet sowas wie „weg da!". Auf spanisch übrigens „vete!". Marco hat das Archiv-Material gesichtet und (wie ich in Sachen „Kottan") darüber in seiner Freizeit ein umfangreiches Buch geschrieben. Zwei Jahre später wurde es veröffentlicht mit der Ankündigung einer Ausstellung im Örtchen Cavriago, wo sich die ehemalige Wandré-Fabrik befand. Sehenswert auch die website FETISHGUITARS.COM >>> https://www.fetishguitars.com/wandre/



Und noch mehr davon ...

Ich habe dann nicht nur angefangen, mir ein paar weitere dieser Schmuckstücke zu erwerben, sondern auch Ideen zu enwickeln, diese Pioli-Designs in unsere Kreationen einfließen zu lassen. Diverse Experimente ...


Hälse weiter aus Ahorn, aber diese in Alumium angesetzten Mechaniken hatten es mir besonders angetan, zumal die Originale aus den 60er nicht gerade von bester Qualität waren. Da setzen wir doch mal neuzeitliche Technik ein! Und eine unsichtbare Halsverbindung kam mir in den Sinn.

Mehr zu diesem Thema im Kapitel "2014-Cavriago-Wandré-Event"!

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