2009

NAMM zum x-sten Mal. Und der Ballroom zum Dritten!

NAMM, was soll ich sagen? Nichts derart Erwähnenswertes: wieder dasselbe Motel, fast derselbe Mietwagen, dieselben Leute, die gleichen Konzerte, die gleichen Frühstücke, die gleichen Abendessen. Aber man achte auf unsere nette Stand-Crew!

Und der Bill sah jedes Mal schlechter aus. Nur diesmal der zusätzliche Ärger, dass die Rechte an seinem eigenen Namen, also für Bill-Lawrence-Pickups, bei einem Jzchak Waijcman verblieben waren. Solch hässliche Dinge passieren halt im Geschäftsleben!

Ballroom, diesmal auch mit Mark Ford – ex Black Crowes

Der Ballroom vor dem Konzert und die begeisterte Crew unseres japanischen Importeurs ...

Joshua Tree-Nationalpark

Mike Ritto, Nathans bester Freund, Graphiker, Baujahr 1950, sieht aber aus wie Baujahr 1960, nahm uns am Montag nach der NAMM mit auf einen Trip in den Joshua-Tree- Nationalpark. Ein kurzer Stopp an einem lächerlichen Dinosaurier-Park, weil wir tanken mussten. Dann weiter, und kurz bevor der eigentliche National Park beginnt, hat Mike in einem von der Hauptstraße kaum einsehbaren Tal seinen „Airstream“ stehen. Ein Wohnwagen mit einer Außenhaut aus poliertem Aluminium, welches bestens die Sonneneinstrahlung reflektiert und für innere Kühlung sorgt. In dieser fremdartigen Umgebung wirkt dieses Teil total surreal, fast so als wäre da ein Ufo niedergegangen.

Und alsbald gab es immer mehr dieser spitzpalmig krüppeligen Bäumchen, bizarres Gesträuch vor bizarren Felsen.

Nach einigen Meilen erreichten wir dieses Joshua Tree Pueblo, wo damals Gram Parsons verstarb. Der Gram (Byrds, Flying Burrito Brothers und bei den Stones bei Exile on Main Street schwer dabei) war ein schlimmer Drogenbold, konnte auch der Spritze nicht entsagen, und verstarb schließlich im jungen Alter von 26 Jahren in seinem Zimmer Nr. 8 im Joshua Tree Inn. Ganz heiße Geschichte!: Er wurde in einen Sarg gepackt und zum nächsten Flughafen gebracht, von wo er zwecks Begräbnis in seinen Heimatort verschickt werden sollte. Nun hatte Gram aber zwei Freunden das Versprechen abgenommen, ihn im Todesfalle zu verbrennen und seine Asche irgendwo im Joshua-Tree-Gelände zu verstreuen.

Die beiden - nicht faul - fälschten ein paar Papiere und „entführten“ den Sarg samt Leiche aus dem Flughafen. Vor einem gigantischen Felsen im Mond- und Sternenlicht (samt Milchstraße, weil klarste Luft) übergossen sie also ihren Freund mit Benzin und schmissen das brennende Streichholz. Doch leider klappte das mangels hinreichendem Benzin mit der Abfackelei nicht so recht, sodass sie letztlich gezwungen waren, zur Polizei zu gehen, auf dass die verbliebenen Reste wieder eingesargt und nun doch in Grams Heimatort versendet wurden.

Mit einer kleinen Geldstrafe wegen groben Unfugs kamen die glücklosen Testamentsvollstrecker davon. Sonst nix, weil per se der Diebstahl einer Leiche nach US-Gesetzen kein Verbrechen darstellt.

Wir haben jedenfalls alles besichtigt, Motel und Feuerstelle, und im Auto den ganzen Tag Gram Parsons Musik gehört.

Frankfurt

Nichts Besonderes. Nur eine nette Foto-Kollage von Martin Huch: Fred Garcia und Uli Roth am Lagerfeuer vor unserem Stand!



Plek-it now!

Und ein neues Qualitätsmerkmal unserer Gitarren: „This Doozy was pleked!“ Außerdem hatten wir eine neue Doppel-Cutaway-Serie aufgelegt: FULLERTON! Bindings und Hering-Bone-Stripe sehr traditionell. Sogar ein Tick Höfner-Comittee & Thinline war eingeflossen ins Design.

Ansonsten:


Neue Versuche in Sachen „Trans-Trem“. Dafür und für eine andere Tremolo-Variante hatte unser neues Tremologehäuse unterwärts zwei Ausnehmungen, in denen man eine Querverbindung verschrauben konnte, die eine andere Form der Lagerung ermöglichte, nämlich die altbewährte Nadellagerung mit einer Achse von 2mm Durchmesser. Und wir hatten ein Logo für unser Roger-Label – eine stilisierte Eidechse!

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Und wir machten schicke „KLUSON“-Products!

Los Dooros



Andrés, einem guten Freund von Ines, hatte ich von meinen musikalischen Ambitionen erzählt. Eine Band zu gründen, die ausschließlich Songs von den Doors spielt. Und das ohne Keyboard und alles in meinen ureigenen Versionen. Zwar stehe ich auch auf die Stones, Steely Dan, Lynyrd Skynyrd, Roachford, Carl Carlton, Free, Cassandra Wilson, Black Crowes etc., aber die Doors hatten immer einen besonderen Stellenwert in meinem Leben. Außerdem braucht eine Band ein "Thema". Ich wollte ja keine 60s-Cover-Band aufmachen. Andrés wusste gleich einen Schlagzeuger, Karim, und einen Bassisten, Jacobo. In Madrid gibt es eine Vielzahl von Übungsraum-Zentren, wo man stundenweise einen Raum, ausgestattet mit allem Amps, Schlagzeug, PA, für wenig Geld mieten kann. Los Dooros waren geboren, und da haben wir die ersten Songs einstudiert: Backdoor Man, Break On Through, L.A. Woman, Roadhouse Blues etc.

Resobro

Die Gespräche mit Martin waren stets fruchtbar, dies natürlich im Sinne von „Guitar-Talk“. Aber wir hatten auch sonst viel Spaß bei Unterhaltungen über andere Themen. Dennoch gerieten wir wieder in den Kreis der Vorlieben, die gar nicht unbedingt die meinen sind: Lap, Country, Dobro, Bending. Jedenfalls erklärte mir Huch, dass die Dobro ja ein großes Potential hätte, von vielen Gitarristen gespielt wurde, aber immer diesen Nerv der Rückkopplungsanfälligkeit und andere Probleme mit sich brächte.

Ich dachte nur: „Da resoniert doch was gegen die Saiten“. Nachgedacht: Zu Zeiten, als es Gitarrenverstärker noch nicht oder kaum am Markt gab, hat man diesen blöden Resonator-Cone entwickelt. Eine Alu-Membrane sollte wie ein Lautsprecher wirken, um die Gitarre im Band-Gefüge lauter zu machen. Aber diese „Gegenschwingung“ kann man doch auch anders und viel einfacher erzeugen. Um diesen speziellen Sound zu reproduzieren, hatte ich die Idee, den Steg auf eine dünne, stählerne Metallzunge zu setzen und darunter einen Pickup zu platzieren, der die Schwingung dieser Zunge abnimmt.

Die ersten Experimente machte ich mit einem Spachtel und sogar mit einer Maurerkelle samt einem Telecaster-Pickup darunter. Das kam der Sache schon recht nahe, aber wir konnten ja nicht eine Gitarre mit Spachtel oder Maurerkelle bestücken. Und der Pickup hatte auch nicht genügend Output, um mit dem ebenfalls angebrachten Domino-Halspickup lautstärkemäßig wetteifern zu können. Also ließ ich mir bei einer Madrider Laser-Company entsprechende Stahlzungen schneiden und von Harry Häussl Pickups mit Neodym-Magneten wickeln, denn sowas hatte der vorrätig.

Unter die Metallzunge klebte ich zwei Piezo-Scheiben für die nötige Brillanz in den Höhen und erfand dazu einen Blockier-Mechanismus: einen Schieber, der die Zunge in Ruhezustand versetzte, sodass die Gitarre praktisch wie eine „normale“ E-Gitarre klingen konnte – wenn man es so wollte. Das wurde später in zwei nach oben oder unten verdrehbare Rändelräder geändert, die ebenfalls die Zunge zum Stillstand brachten. Fertig war sie, die Resobro!

2009 Bob Dylan

Mike Campbell hatte eine seiner von uns gesponserten „Mike Campbells“ dem Dylan Bob übereignet und der war angetan. Klar, wie kann man auch NICHT angetan sein von einer Duesenberg?! Und Grund genug, ein eigens für ihn designtes Model zu kreieren.

Es wurden dann als Erstes Informationen darüber eingeholt, was dem Herren Dylan denn wohl besonders genehm wäre wie Symbole, Zeichen, Mensuren, Farben etc. Doch eine stete, zusammenhängende Kommunikation gestaltete sich eher schwierig mit dieser scheuen Ikone. Erste Signale: auf jeden Fall ein schwarzes Ebenholz-Griffbrett mit einem „61“-Inlay am siebten Bund, womöglich sein Name am zwölften Bund, Korpus zart violin-tobacco-Burst, Bindings etc. im Stile einer Akustikgitarre. Und ein ägyptisches Zeichen (das Auge des Horus) auf der Kopfplatte. Jedenfalls gestaltete sich die Sache absolut amtlich. Und Mr. Dylan hat uns sogar seine Unterschrift geschickt, damit wir davon ein Perlmutt-Inlay oder eine Verzierung auf dem Pickguard machen konnten.

Wir haben ihm erstmal einen simplen Vorentwurf ohne viele spezielle Features gemacht, einfach eine super Starplayer in violin-burst mit Block-Inlays und Checkerboard-Binding, nebst sein ägyptisch anmutendes Logo auf der Kopfplatte. Ansonsten unsere bewährte Standard-Bestückung, um zu sehen, ob sowas wie unser Basis-Modell überhaupt für ihn infrage käme. Die Zeit verstrich ohne weitere Resonanzen. Aber plötzlich erschienen internationale Pressemeldungen über eine Filmpreisverleihung an Michael Douglas für dessen letzten Film. Ein Riesen-Event! Und als Special Guest war Bob Dylan samt Band geladen. Und Du glaubst es nicht, Da kommt Bob Dylan auf die Bühne und spielt unsere „Dylan-Basis“-Gitarre. Und noch dazu zwei Strophen Gitarrensolo, wobei unser feines Fabrikat nicht dazu beitragen konnte, sein spielerisches Können zu verbessern. Aber dieser Auftritt hat uns doch zum Ruhm gereicht. Davon gab es jede Menge Pressefotos und sogar einen Artikel im Rolling Stone. Und obendrein noch in einem amerikanischen Dylan-Buch. Zudem tauchen die Fotos in einer Dylan-Biografie eines deutschen Autors auf.

Wir haben dann weiter designt und alles stofflich umgesetzt: diverse Griffbretter, das ägyptische Zeichen von feinster Hand aus Perlmutt in die Kopfplatte gesetzt und diverse Prototypen angefertigt. Bis dann die Meldung kam, dass ihm die Gitarre zu schwer sei … Verdammter Mist! Hintergrund war ein Bandscheibenvorfall (wie meiner vor anderthalb Jahren), und die Gitarre, die er sonst spielte, wog weniger als 2,9 Kilo.

Also haben wir den Sustainblock weiter ausgehöhlt und ihm eine leichtere Gitarre geschickt, die 2,8 Kilo wog. Danach ist bis heute nichts mehr passiert, the answer is blowin‘ in the wind …

Bis auf eine sehr interessante Meldung: Eines Tages bekam Nathan einen Anruf von jemandem, der einen extrem wüsten Slang sprach. Nach mehrmaligem Hinterfragen stellte sich heraus, dass der Anrufer für eine Duesenberg "Mike Campbell" Gitarre ein neutrales Pickguard haben wollte, also ein vernickeltes Pickguard ohne das eingravierte Campbell-Signet. Wieso, warum? Letztlich wurde Nathan gewahr, dass er da mit Mr. Bob Dylan persönlich telefonierte! Dieser, natürlich sein eigener Star, mochte kein fremdes Signet auf seiner Gitarre dulden. Und die Analyse: Herr Dylan hatte gerade jeden Titel seines neuen Albums mit der Mike-Campbell-Gitarre eingespielt – Produzent des Albums: der Mike!  Klar, so war er an unsere blau-weiße Gitarre gekommen!

Metallica - no!

Doch damit nicht genug! Kurz drauf meldete sich in korrektem Englisch Metallica-Gitarrist James Hetfield und trug sein Begehr nach einer Duesenberg Outlaw vor. Der wollte aber eine EMG-Pickup-Bestückung da drin haben. Das haben wir einfach abgelehnt! 9-Volt-Batterien in einer E-Gitarre: wenn's geht, vermeiden! Und auch Bill Lawrence hatte schon gesagt: "Ne Batterie gehört in ne Taschenlamp!"

Der Kapo

Dann kam Martin mit seiner bereits 15 Jahre alten, bis dahin nicht realisierten Idee: nämlich, dass es doch geradezu revolutionär wäre, auf dem Griffbrett einer Lapsteel einen verschiebbaren Kapodaster zu haben. Martin Huch, ein Besessener, für den es nichts gibt, was man nicht in die Tat umsetzen kann. Also erstmal eine Nut ins „Griffbrett“ gefräst, zwei Alu-Schienen beidseitig mit Schrauben befestigt, und einen Kapo konstruiert, der in dieser Nut verschieb- und mit einem sog. Nutenstein feststellbar war. Das alles stellte sich als ziemlich unsolide heraus, sodass wir uns einige Zeit später ein massives Aluprofil haben „ziehen“ lassen. Mindestmenge für dieses Material: eine halbe Tonne = ca. 840 Stück! Unten in der Nut mussten außerdem Befestigungslöcher gebohrt werden. Und alle Griffbretter mussten auch noch schwarz eloxiert werden, sodass man dann Griffbrett-„Einlagen“ per Laser in die schwarze Oberfläche gravieren konnte – zusätzliche, erhebliche Kosten. Wir haben das trotzdem bestellt – mit dem ängstlichen Hintergedanken, das niemals im Leben aufbrauchen zu können. Aber in den folgenden Jahren hat sich ja das Gegenteil bewahrheitet.


Mando Guitar & Double Cat 12-string

Der Fensterkopf bietet natürlich die Möglichkeit der Unterbringung von zwölf Mechaniken auf kleinstem Raum. Aber das Saiten-Aufziehen ist stets eine Nerverei. So kamen wir auf die Idee, zwölf Mechaniken mit runden, gerändelten „Flügeln“ per „6 & 6“ auf beiden Seiten des Kopfes unterzubringen. Durch die Form dieser Stimmknöpfe und ein in der Länge reduziertes Mechanikgehäuse ließ sich eine immer noch relativ kurze und optisch ansprechende Kopfplatte realisieren. Saitenaufziehen leicht gemacht!


Strat Trem-Stopp

Das hatte ich mir so schön ausgedacht, aber trotzdem Abteilung „Garage!“

Der „Strat“-Tremolohebel saß in einer Aufnahme ähnlich der unserer Duesenberg-Tremolos und sein Ende lugte ca. 8mm aus dem Aufnahmeknopf heraus. Direkt daneben brachte ich einen in der Höhe einstellbaren „Gegenlager-Knopf“ an, der im Strat-Korpus eingeschraubt wurde. Verdrehte man den Tremolohebel praktisch inaktiv nach unten, so fasste das Hebelende zwischen die beiden Flanken des Gegenlager-Knopfes und arretierte das Tremolo in fester Position. Die untere Seite des Arretierknopfes beinhaltete sogar eine Tellerfeder, die ermöglichte, dass das Hebelende sich richtig knackig zwischen den beiden Flanken festklemmte – kein Spiel, kein gar nichts! Resonanz meiner Firma: „Das kann zu jeder Menge Rückfragen und und unberechtigten, aber voll nervigen Reklamationen führen, weil die Leute das nicht richtig verstehen werden!“ Ok, akzeptiert >> Garage!


No-screw-Pickguards

Wir hatten ja schon diese fast 3mm starken Plexi-Pickguards, die unter dem metallenen Pickguard-Streifen schon allein bestens Halt fanden. Dabei kam mir die Idee, dass all dieses noch eleganter kommen würde, wenn das Pickguard ansonsten überhaupt keine Befestigungslöcher aufweisen würde. Was tun? Laschen, zwischen Poti-Gewinden und Pickguard befestigt und so in Position gebracht, dass man das Pickguard derart verschieben konnte, damit die beiden Laschen unter die Decke des Bodies greifen, und dann die beiden Befestigungsschrauben des Pickguardstreifens anziehen. Resultat: Pickguard praktisch unverrückbar positioniert. Demontierbar nur, wenn man die beiden Schrauben des Metall-Streifens löste.

Aber in der Firma hatte man Angst, dass sich das Pickguard doch durch Vibrationen lösen könnte >> ab in die Garage der verworfenen Erfindungen! Ach menno …

Paris

Mal wieder mit Ines in Paris, ihre Tante besuchen und von der Terrassenwohnung den Eiffelturm bestaunen. Und in Paris gibt es eine Straße voll mit Gitarrenläden, die Rue de Douai. Da entdeckte ich den völlig verrückten Laden „Guitar Collection“ eines Dany Delepierre. Und der war voll von Gitarren der italienischen Marke „Wandré“. Diese Marke kannte ich praktisch nicht, obwohl ich sogar einen Hals (Aluminium) und einen Korpus (Presspappe) einer Wandré „Bikini“ mein eigenen nennen konnte. Diese beiden Fragmente (Baujahr 1960) hatte mir nämlich Pierro Terracina (Fa. Magnetics Pickups) Jahre zuvor geschenkt. Ich habe dem nicht viel Bedeutung beigemessen, die beiden Teile aber nie in die Tonne getreten, denn ein Hals bestehend aus einem Griffbrett mit verrückten Einlagen und einem Unterteil aus einem Aluminium-D-Profil ist schon etwas Besonderes. Und solch eine komplette „Wandre-Bikini“ wird heute für um die € 25.000 gehandelt. Das wusste ich damals aber noch nicht. Kurzum, es war einfach nur das magische Flair in diesem Laden, das mich faszinierte. Die Formen und Farben dieser italienischen Prachtstücke. Anstelle von herkömmlichem Binding hatten die eher sowas wie Keder als Kantenschutz. Dazu diese futuristisch anmutenden Pickups, verrückte Kontrollelemente. Als hätte jemand (namentlich Antonio Vandrè Pioli) die Elektrogitarre auf einem anderen Planeten erfunden.

Vargas & Raimundo Amador

Ich hatte auf Formentera mal eine nette Bekanntschaft mit einem Wolfgang Röhl geschlossen, Stern-Reporter in Sachen „Reisen“, der auch irgendwo was über unsere Formentera Guitars kolportiert hatte. Und der hat mir eine Kassette mit Musik der Vargas Blues Band zukommen lassen mit dem Vermerk „Hör Dir das mal an! Die sind noch nicht so verkommen vom US-amerikanischen Einfluss!“ Und per Zufall meldete sich eines Tages ein Javier Vargas per Telefon zwecks Vorbeikommen. Die Vargas-Blues-Band (stets auch in Hannovers Blues Garage präsent) hatte ihre besten Zeiten mindestens 12 Jahre vorher, als nämlich Javier das latinische Element in den Blues integrierte. Es gab ein super Album "Madrid-Memphis", was mir bis heute besser gefällt als alle Musik von Santana.

Vargas liebäugelte damit, dass ich ihm eine Duesenberg schenken würde. Aber nichts! Sowas haben wir außer bei absoluten Top-Acts bis heute nie gemacht. Wir kassieren lediglich einen äußerst moderaten Preis für ein Spitzen-Instrument, und das ohne Verträge und Konditionen. Immerhin bin ich aber mit dem etwas enttäuschten Vargas übereingekommen, dass er auf dem nächsten Formentera-Herbst-Festival mit den Dooros als "special guest" auftreten würde - leicht für ihn, weil er sein erstes Domizil auf der Nachbarinsel Ibiza hat.

Vargas hatte in Kürze ein Konzert mit reichlich Gästen in der Sala Caracol in petto. Er lud mich ein, da ein paar Doors-Songs zum Besten zu geben. Gesagt, getan, und ich lernte dabei Raimundo Amador kennen, der in Spanien etwa fünfzig mal bekannter ist als Javier. Raimundo kommt aus Sevilla, ist da unter ärmlichsten Verhältnissen aufgewachsen, kann nur mittelmäßig schreiben, hat schon in jüngsten Jahren mit seinem Vater auf der Straße zwecks Geldempfängnis Gitarre gespielt und ist ein exzeptioneller Gitarrist. Mit seinem Bruder Rafaél hatte er die Gruppe Pata Negra gegründet (das Wort „Pata Negra“ deutet eigentlich auf den besten spanischen Schinken hin). Die beiden haben die Flamenco-Musik in die moderne Rock- und Bluesmusik integriert und hatten einen enormen Erfolg damit. Raimundo hat später eine komplette Spanien-Tour mit B.B. King absolviert. Und wenn man heute mit Raimundo auf der Straße geht, bleibt es nie aus, dass er öfters angehalten wird um einen Selfie mit jemandes Handy. Das passiert einem mit Javier Vargas jedenfalls kaum einmal.

Hier ein paar Youtube-Clips:

https://www.youtube.com/watch?v=0BJoqQsO7hU

https://www.youtube.com/watch?v=aYD50znjSuY&pp=QAA%3D


Links sieht man Raimundo und rechts seinen Bruder, der heute leider motorisch etwas gestört ist, weil zu viel Drogen in diesen Jahren nach Francos Tod. Der erneute Wechsel in die Demokratie 1976 bedeutete für die Spanier einerseits die große Freiheit. Andererseits haben viele jugendliche es nicht geschafft, damit umzugehen.

Die Info in Sachen nächstjähriges Herbst-Konzert habe ich Ecki weiter gegeben, dem Typen, der erst meine Formentera-Guitars-Anteile und später die des Thomas Stratmann übernommen und sich fortan stets als neuer Nabel der Formentera-Gitarrenwelt dargestellt hatte, so als hätte es uns niemals gegeben. Also generell schwierig, mit ihm als Festival-Organisator einen Dooros-Gig mit "Atze, einem der Formentera-Guitars-Gründer" klar zu machen. Aber Vargas war natürlich ein Publikums-Magnet! Da konnte er nicht nein sagen.

Ach wie schön! Ingo war mit Martin Huch und in Begleitung von Wolfgang Niedecken auf dem Eagles-Konzert in Köln und hat darüber diesen herrlichen Text verfasst. Ich erlaube mir, den hier in meine Aufzeichnungen zu übernehmen.

Die Eagles: Die einzige wahre Boy-Group der Welt

Das erste Mal traf ich die Eagles am 16. Juni 2009 bei einem ihrer wenigen Konzerte in Deutschland, in der Kölner Lanxess Arena. Nur wenige Tage zuvor hatte ich gehört, dass Joe Walsh eine weitere Duesenberg-Gitarre in Norwegen gekauft hatte. Er hatte während der Eagles-Tournee ein lokales Musikgeschäft besucht und war auf eine Starplayer TV Outlaw gestoßen, die er sofort in der aktuellen Show zeigen wollte. Die Starplayer kam zu seiner bereits umfangreichen Sammlung von Duesenberg-Gitarren hinzu.

Ich hatte Wolfgang Niedecken zu der Show eingeladen, und so gingen wir zusammen hin. Wir kamen am Nachmittag in der Arena an, und angesichts unserer anfänglichen Probleme mit dem Parken war es definitiv ein Plus, eine der berühmtesten Persönlichkeiten Kölns auf dem Beifahrersitz zu haben! Ich hatte zwar einen offiziellen Parkausweis vom Eagles Management, aber wie so oft bei Veranstaltungen dieser Größe lief die Organisation vor Ort nicht ganz so reibungslos wie erwartet. Alle Anwesenden erkannten jedoch sofort Wolfgang, und wir durften durch das Labyrinth der unterirdischen Tunnel direkt zum Haupteingang hinauffahren. Einer der Hauptgründe für meinen Besuch war es, Joe Walsh das Wohltätigkeitsprojekt "Rebound" zu erklären. Da Wolfgang das Projekt überhaupt erst initiiert hatte und Duesenberg einer seiner Unterstützer geworden war, war der Mann selbst natürlich sein bester Botschafter.

Mit leitenden Angestellten als Führer gingen wir schnell durch verschiedene Sicherheitstore und fanden uns in Joes privatem Backstage-Bereich wieder. Joe lud uns persönlich in sein Zimmer ein, wo er und seine sehr attraktive Frau Marjorie ihn für die bevorstehende Show vorbereiteten. (Marjorie ist übrigens die Schwester von Barbara Bach, die am besten für ihre Rolle in dem James-Bond-Thriller "The Spy Who Loved Me" bekannt  und mit keinem Geringeren als Ringo Starr verheiratet ist...).

Joe begrüßte uns sehr herzlich, und Wolfgang und ich erzählten ihm alles übers Project Rebound.

Worum geht es beim Project Rebound?

Project Rebound befasst sich mit der Rehabilitation von Kindersoldaten im ugandischen Distrikt Pader. Das Gebiet ist seit mehr als 20 Jahren ein Kriegsgebiet, Und an diesem Krieg mussten Kinder ab acht Jahren und älter teilnehmen. Sie waren entweder von Gefolgsleuten des Rebellenführers Joseph Kony entführt worden oder Opfer anderer Angriffe geworden. Die Kinder hatten ein schweres Trauma erlitten und keine Chance, ohne Hilfe in ein normales Leben zurückzukehren. Rebound, das vom Musiker Wolfgang Niedecken in Zusammenarbeit mit Jack Wolfskin und World Vision Deutschland e.V. konzipiert wurde, widmet sich vor allem der Erziehung dieser Kinder und Jugendlichen, um sie zu rehabilitieren und wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Ziel ist es, durch ein gemischtes Programm aus Berufsausbildung, Vermittlung von Lebenskompetenzen (Hygiene, Ernährung und Grundbildung) sowie einem psychologischen und psychosozialen Unterstützungssystem die Rückkehr in eine eigenständige Existenz zu ermöglichen. Die Kinder erhalten eine technische Ausbildung, damit sie später ihren Lebensunterhalt selbst verdienen und hoffentlich für ihre Familien sorgen können.

Joe hörte aufmerksam und mit wachsender Empathie zu und kam dann auf die spontane Idee, dass alle Eagles eine Duesenberg Rebound-Gitarre signieren könnten, die wir dann im Namen des Projekts versteigern könnten... und genau das ist passiert.

Danach unterhielten wir uns noch eine Weile über Gitarren, bevor wir zu Glenn Frey gingen. Ich glaube, nicht einmal der Papst hat so viel Sicherheit um sich herum wie die Eagles an dem Tag, an dem wir ihn besuchten. Ich habe noch nie so viele Männer in dunklen Anzügen mit Ohrstöpseln gesehen... Dennoch fanden wir uns nach mehreren weiteren Sicherheitskontrollen schließlich vor Glenn's Garderobe wieder. Durch ein Missverständnis mit dem Sicherheitspersonal kamen wir irgendwie zu früh an und erwischten Glenn, wie er mit seinem Unterhemd vor dem Spiegel stand und sich rasierte. Wir verließen natürlich sofort den Raum – sehr fraglich, ob dieser spezielle Sicherheitsbeamte am nächsten Tag noch einen Job hatte. Nach einer Weile wurden wir von Glenns persönlichem Manager wieder hereingebeten, und an dieser Stelle muss ich etwas sagen: Für einen so unglaublichen Songwriter und Sänger hätte er nicht freundlicher, höflicher oder einladender sein können - ich hätte nie einen so wunderbaren Empfang erwartet!

Als besonderes Geschenk hatte ich eine Fullerton CC in Vintage-Weiß mitgebracht. Glenn besaß bereits zwölf Duesenberg-Instrumente und hatte viele seiner Gitarrenparts auf 'Long Road Out Of Eden' über seinen 'Doozy One'-Verstärker gespielt. Als ich ihm die Gitarre überreichte, war er so bewegt, dass er beschloss, sie noch am selben Abend auf der Bühne zu spielen. Das kam für mich natürlich völlig überraschend, da die meisten Musiker ein neues Instrument erst einmal kennen lernen müssen, bevor sie es in einer Live-Situation einsetzen. Nicht so bei Glenn, der seinem Publikum sein "neues Baby" vorstellte und es bei mehreren Liedern spielte.
Text: Ingo Renner

Ach, und dann noch im G&B ein Feature über den Joe. Sowas freut mich immer, weil der wirklich ein absolut herausragender Musiker ist. Man erinnere auch seine Band „James Gang“!


Design im Allgemeinen



In Sachen „Design“ passiert es mir immer wieder, dass ich auf Dinge total abfahre. Und das natürlich auch abgesehen von Gitarren. Oder sagen wir es noch anders und weniger wichtig: Es hat mir immer gefallen, mich mit Dingen zu umgeben, die mir optisch und sonst wie gefallen! Bis heute fahre ich dieses alte 1988er BMW-Baur-Cabrio, stehe voll auf die Rundform-Möbel der Firma Mauser und bestimmte Lampen diverser Marken wie Sistrah, Poulsen, Brand etc. Und ich  liebe das leider unerschwinglich gewordene Memphis-Design: knallbunte Kreationen der Postmoderne, für manche Betrachter eher „Mutproben“ aus den 1980er Jahren. Ein Objekt dieser Schöpfungen habe ich mir immerhin mal nachgebaut – ein Bett im Stil eines Boxrings. Und ein paar echt schrille Wandré Gitarren darf ich sogar mein Eigen nennen.

Memphis im Besonderen

Die Zeit mit meiner damaligen Freundin Ines war für mich in Sachen „Form- und Farbgebung“ sehr fruchtbar, weil sie sich auch ins Designen von Möbeln verlegt hatte. Ein guter Grund, mal die Mailänder Design-Messe zu besuchen. Irgend jemand hatte da separat, abseits der eigentlichen Messe eine faszinierende Ausstellung eben dieser Exponate  des Memphis-Designs zustande gebracht.

Initiiert von einem Ettore Sottsass bildete sich 1980 eine Gruppe von Möbel- Textil- und Keramikdesignern, die sich der reinen Funktionalität von Einrichtungsgegenständen vehement entgegenstemmte. Der Anspruch: Jedes einzelne Stück sollte zum „Objekt“ erhoben werden. Ungewöhnliche Materialien wie Formika, leuchtende Farben und verrückte Kombinationen von Formen. Das war revolutionär in jener Zeit. Beim ersten Treffen dieser Visionäre lief in Hintergrund der Legende nach der Bob-Dylan-Song Stuck Inside Of Mobile With The Memphis Blues Again. Und so nannte sich die Designergruppe „Memphis“. (Und da ist er wieder … Bob Dylan …)

Diese Möbel sind nie in großer Stückzahl produziert worden: Die Anfertigung war zu kompliziert und nicht nah genug am Publikumsgeschmack. Das sind halt so Widernisse, wie sie u.a. meiner Roger-Saturn-Gitarre oder auch den Wandré-Modellen widerfahren sind. Na ja, Karl Lagerfeld hatte jedenfalls in seinem Pariser Domizil eine erlesene Sammlung von Memphis-Originalen, weil der konnte sich das leisten.

Derart inspiriert bin ich daran gegangen, den Einfluss dieses Memphis-Designs in ein  Gitarrendesign zu übertragen. Seht selbst! Das war mehr so mein Ding und ich habe nie meiner Firma angedient, ob wir das nicht so oder so produzieren könnten  (schon in Hinblick auf besagte Roger Saturn). Aber irgendwie schade. Doch die Zeiten werden sich ändern. Und wer weiß,  vielleicht wird es irgendwann soweit sein, dass eine „Duesenberg-Memphis“ am Gitarrenhimmel strahlt.


Hier ist der Vogel. Und während seiner Entwicklung sind sowohl ein super funktionierender Kill-Switch als auch ein recht schönes, Memphis-artiges Hardware-Detail entstanden. Und rechts der Billy G. in Hamburg mit der darselbst von ihm initiierten Gold-Top-Senior Guitar.



 

Les Trem

Immer noch sehr teuer für ein Replacement-Tremolo, das für eine der zwei meist verkauftesten Gitarrentypen der Welt nachrüstbar sein sollte. Also habe ich die Sache überdacht: Die Lagerung der 2mm Achse, die seit jeher auf die Erlangener Hardware-Firma zurückzuführen war, musste einbehalten werden. Also brauchten wir für diese Funktion ein produktionstechnisch weniger aufwendiges Unterteil. Jawoll: die Grundform ausstanzen und die beiden Lager-Laschen für die 2mm-Achse in die Basis einschweißen – simpelste Technik mit perfekter Funktion!

Und man schaue heute, auf wie vielen Gitarren dieses Tremolo bereits serienmäßig assembelt wird!


Presse

Endlich kam er vorbei! Heinz Rebellius in Madrid. Daraus entstand diese schöne, lange Story  für Gitarre & Bass. Seht selbst!



Hier unsere Gitarren-Ernte, wunderbare Montage des Martin H. (Nathan sitzt oben auf dem Dach und telefoniert.)