2008

2008 - NAMM-Show

Flieger, Passkontrolle, Mietwagen, Alamo Inn, Messe, Samstags-Konzert, Sonntagabend abbauen, spätestens den Mittwoch drauf wieder „back to Germany o volver a Madrid“.

Und Zwischendurch: Morgens ein deftiges Frühstück im Disney nahen „Mimi’s Café“ und einmal abends einen „Monster-Burger“ im „Heroes“ in Fullerton, weil Nathan nicht so recht auf Fisch und Meeresfrüchte steht und merklich jedes Jahr eine kleine Zunahme seines Körpergewichts verzeichnen konnte.

Und bis 18 Uhr pomonös" auf der NAMM

Diesmal war unser „Hammer“ die neue Pomona Lap-Steel. Jawoll, das Aluprofil für die Griffbretter wurde endlich angeliefert, und umgehend fertigten wir unsere ersten Prototypen an. Außerdem hatten wir zwischenzeitlich schon eine spezielle Lap-Steel-Brücke entwickelt. Und die Amis konnten es nicht glauben. Diese Bender-Hebel, der verschiebbare Kapo, der Sound und das Handling. Wir waren absolut weit vorn, zumal es bis heute kein Konkurrenzprodukt zu unseren Laps gibt.

Blau-weiß im Ballroom

Samstagabend wieder Mike Campbell & The Dirty Knobs im Ballroom. Das war ein schönes Konzert, und der Mike ist einfach ein höchst respektabler Musiker.

Superbowl

Das Jahr ging gut weiter. Anfang Februar 2008 waren Tom Petty & The Heartbreakers engagiert für den Super-Bowl-Event. Und das ist – an TV-Zuschauerzahlen von über einer Milliarde Menschen gemessen – das weltweit größte Sport- und Medienereignis. Und unser guter Mike spielte immerhin die Hälfte der Songs mit seiner blau-weißen Duesenberg. Und das mit einem Hammer-Sound! Meiomei, ein professioneller TV-Clip während dieses Ereignisses hätte einem amtlichen Werber bestimmt Kosten im 6-7-stelligen Dollar-Bereich verursacht.

https://www.youtube.com/watch?v=Vul_EYQEJJU


Junges Blut!

Im selben Jahr waren Gabriel Mieth und Ulf Schmidt zu uns gestoßen. Zwei junge Typen mit nicht nur handwerklichen, sondern auch digitalen Qualitäten. Gabriel, ein Rockabilly-Man, der Bass, Schlagzeug und Gitarre spielte, Gitarren assembelte und fortan die Schaltpläne produzierte, die unseren Gitarren beigepackt wurden. Und Ulf hatte gerade sein Arbeitsverhältnis bei einer großen, im Osten unserer Republik angesiedelten, Bass- und Gitarrenfabrik gecancelt, und zwar wegen unzumutbarer Arbeitsbedingungen.

Diese beiden Jungs brachten jedenfalls frischen Wind in die Firma, und wir beschlossen, uns eine PLEK-Maschine anzuschaffen. PLEK: das ist diese von einem Berliner namens Gerd Anke entwickelte, computergesteuerte Maschine, die einen besseren Fret-Job machen kann, als ein Gitarrenbauer mit all seinen Feilen und Abrichtklötzen. Wer’s nicht glaubt, der schaue dieses Video!

https://www.youtube.com/watch?time_continue=110&v=I1XbyboeRqo&feature=emb_title

Um damals unsere letzte Skepsis zu überwinden, beschlossen wir, erstmal eine kleine CNC-Maschine zu ordern, um zu testen, wie solch Teufelszeug funktioniert. Ulf hat dann als erstes diverse Messe-Displays für unsere Parts damit gefräst und Schriften  graviert.

Summer NAMM Nashville

Ingo, Martin und meine Wenigkeit zum ersten Mal auf zur Summer-NAMM in Nashville!
Nashville ist womöglich das wichtigste der amerikanischen Musik-Zentren. Jede Menge Tonstudios, in mindestens jeder zweiten Bar an der Straße gibt es Live-Musik. Und alle Typen, die da spielen, sind so unheimlich gut, dass man es nicht fassen mag. Dabei ist Nashville weniger eine Stadt der Stars als eher ein riesiges Reservoire super professioneller Studiomusiker, die jedermann – ob Star oder Produzent – für seine Recordings beschäftigen kann. Und diese Musikanten spielen alles perfekt und blitzschnell ein.

Ach, und es kam zu einem der letzten Treffen mit Bill Lawrence, der leider alsbald von uns gehen sollte. Der Bill war echt ein heißer Typ. Diese Mischung „Musiker – Physiker“. Und Bill hatte immer Stories zu erzählen, wobei er nicht mit einer Vielzahl physikalischer Daten sparte. Und diesmal wusste er erneut zu erzählen, dass schon im 18ten Jahrhundert ein Italiener den „Humbucker“ erfunden hatte – eben jenes seismologische Gerät mit zwei gegenphasigen Spulen zur Messung irgendwelcher Erdstöße.

The Rutledge


Nathan hatte für den Samstagabend einen amtlichen Live-Laden namens „The Rutledge“ gemietet. Das wurde eine geile Session mit Tom Bukowak, Jedd Hughes, Vince Gill, Pat Buchanan, Randy Kohrs, Bucky Baxter, Bruce Bouton, Steve Earl, Sarah Buxton, Brent Mason und insbesondere Rodney Crowell, den ich sehr verehre, weil zwei seiner Songs je eine Kottan-TV-Folge schmücken: „Only two hearts“ und „Ashes by now“.

Im Country-Music-Museum von Nashville habe ich mir einige dieser wunderbaren Fliegenklatschen gekauft, mit denen ich über den Sommer diverse Massaker unter den ortsansässigen Insekten veranstaltet habe. Irgendwann bringen wir so ein Teil im Duesenberg-TV-Design heraus!

2008 Tremola-Stopper:

Unsere Duesenberg-Tremolos funktionierten perfekt. Damit sie aber auch unter kritischen Bedingungen (z.B. Reißen einer Saite) in tune bleiben, machte ich mir Gedanken darüber, einen „wegdrückbaren“ Null-Anschlag dafür zu entwickeln (man kennt die Konstruktion ja bereits von unserer allseits beliebten Black Box für Fender-Tremolos).
Wie geht das?
Ein Tremolo ist generell eine Konstruktion mit zwei gegeneinander wirkenden Kräften: Saitenspannung und Druck (Gegenzug) der Tremo-Feder). Reißt eine Saite, so wird die Gesamtspannung der übrigen Saiten um die Spannung der gerissenen Saite reduziert. Im Verhältnis zur Kraft der Saiten erhält die Feder mehr Kraft und alle anderen Saiten verstimmen sich. Zur Lösung dieses Problems bei unserer Tremola-Konstruktion – wie auch prinzipiell für Bigsby-Tremolos verwendbar – habe ich diesen Stopper mit zwei Inbusschrauben mittig an der Welle befestigt.

Er besteht im Wesentlichen aus zwei Schenkeln, die mittels einer Druckfeder fest gegeneinandergedrückt werden, sodass sie plan aufeinander liegen. Mittels einer Stellschraube kann man hinten die Nullposition arretieren. Wenn man den Tremolo-Hebel nach oben zieht, berührt die Stellschraube weiterhin das Tremolo-Gehäuse, wobei die beiden Schenkel auseinander grätschen und sich wieder präzise zusammenfügen, wenn man den Hebel loslässt. (siehe Fotos!)

Damals war diese Erfindung „nett“ aber für den allgemeinen Gebrauch noch nicht unbedingt vonnöten. Heutzutage jedoch stimmen viele Gitarristen bei bestimmten Anwendungen die tiefe E-Saite auf „D“. Und was kann man sich mehr wünschen, als dass dabei die anderen fünf Saiten exakt in Stimmung bleiben?! Und achtet drauf, was da demnächst noch als Weiterentwicklung kommen wird!

Endlich PLEK


Und irgendwann kam der große Tag, als die PLEK-Maschine eintraf und von den Berlinern installiert und justiert wurde.

Kurz drauf haben wir uns aus Edelstahlblech 0,5mm starke Griffbrettschützer lasern lassen, um die Bünde nach dem „pleken“ wieder hochfein polieren zu können, ohne dabei das Griffbrett zu beeinträchtigen.

 

Ich weiß noch, dass Thomas Stratmann und ich darüber gelacht haben, als dieser Gerd Anke und sein Partner Michael Dubach eine PLEK im hannöverschen PPC installiert hatten. „Das kann doch gar nicht funktionieren!“ lästerten wir … Zumal eben jene Maschine im PPC diverse Gitarren zerhackt und ruiniert hatte, die alle von Thomas wieder instandgesetzt werden mussten. Die beiden Typen sind auch zweimal in Insolvenz gegangen, haben aber nie aufgegeben, sondern – wie sich das gehört – konsequent ihr Ziel verfolgt. Und „Hut ab!“ die PLEK ist heute eine Maschine, die über jeden Zweifel erhaben ist.

Duesenberg Senior

Was liegt für einen alten Les-Paul-Junior-Fan näher, als eine neue Gitarre zu entwickeln, die nur einen P-90-Pickup am Steg und eine Wrap-Around-Bridge hat? Und wie diese Kreation noch einen Tick besser, edler, schöner machen?

Erstmal eine 15mm Ahorndecke auf das Mahagoni! Und dann der Pickup:

3-Punkt - Dog Ear

Die Oberfläche des Pickups bzw. der Pickup-Kappe sollte sowohl aus optischen als auch aus technischen Gründen parallel zu den Saiten liegen. Das bekommt man nur hin, wenn das Gehäuse wie ein dreibeiniger Tisch befestigt wird. Also haben wir dieses neue Neusilber-Gehäuse entwickelt, in das eine amtliche P-90-Spule passt, und das diese dritte, mittige Schraube zur winkligen Neigung enthält. Dazu bekam der Spulenkörper eine zusätzliche Wicklung mit Anzapfung, die man per 3-Weg-Schalter aktivieren konnte.

Und wie nennt man sowas, wenn man der „Junior“ einen draufsetzen will: Klaro, Modell „Senior“!

Dobro-Bender

Dobro-Gitarristen sind ja auch eng in die Bender-Technik involviert. Was fehlte also? Ein „Multi-Bender“, der möglichst vielen Dobro-Modellen auf die Sprünge helfen könnte. Martin und ich haben das klar gemacht. Kein einfaches Projekt und auch nicht im Niedrigpreisbereich realisierbar ... Aber bitte sehr!


Roger Saturn

Nach langem, verzweifelten Grübeln bin ich in einer „Selbst-Psycho-Analyse“ auf ein interessantes Phänomen gestoßen: Verluste können anspornen – was allerdings nicht immer positiv ausgehen muss. Hoffentlich klingt das nicht zu esoterisch. Und es ist auch nicht ganz ernst gemeint. Zu Zeiten des Rockinger-Breaks musste ich schmerzlicherweise einen Teil meiner Gitarrensammlung verkaufen. Z.B. eine blue-sparkle Goya (Hagström), eine Hopf Saturn, eine Dynacord Cora (Rahmen aus Chrom-Rohr). Wobei ich insbesondere den Verlust dieser Cora sehr bedauert habe. Dabei war das keine wirklich gute Gitarre. Aber die Idee, einen Chromrohr-Rahmen anstatt eines massiven Korpusses zu designen, fand ich einfach so klasse und so schrill, dass ich ein derartiges, (aber selbstredend besseres) Instrument selbst aus der Schöpfung heben wollte. Und am besten gar in der Form der alten Hopf „Saturn“!


Die erste Schwierigkeit war, eine Firma zu finden, die einem dieses 16mm Rohr auf eine gewünschte Form biegen konnte. Denn Rohr-Biegen ist eine Wissenschaft für sich. Ursprünglich hat man das Rohr mit Sand gefüllt, an beiden Enden zugeschweißt und dann mittels beweglicher Rollen auf die gewünschte Form gebracht. Heute gibt es computergesteuerte Maschinen, die u.a. unter Hitzeeinwirkung mit ähnlichen, steuerbaren Rollen ein Rohr biegen können.

Irgendwann hatte ich jedenfalls eine Firma gefunden, die das zu einem vertretbaren Preis anbot. Diese „Saturn“ haben wir dann unter unserer vor einiger Zeit gegründeten Marke „Roger“ aus der Taufe gehoben. Hals und Korpus haben wir aus einem Stück Mahagoni produziert, das Rohr war hinten in Endpin-Position festgeschraubt und oben am Griffbrettende von beiden Seiten in den Korpus gesteckt und mit Schrauben fixiert. Pickups & und Kontrollen = Duesenberg-Standardbestückung, Vibromaster-Tremolo und alles vom Feinsten!

Und? Was ist passiert? Keine Sau in Europa und in den USA (bis auf einen Eric Bazillian – maßgebendes Mitglied der „Hooters“) – hat es gewagt, diese geniale Gitarre zu spielen! Zum „Glück“ haben wir ein Jahr später eine große Charge nach Japan verkaufen können. Und unser Vertrieb dort ordert bisweilen immer noch nach. Jedenfalls (außer Japan) große Enttäuschung meinerseits!

Madrid – Hannover

Viel Fliegerei zwischen diesen beiden Orten, weil die Schaffensmöglichkeiten in Ines’ Loft nicht hinreichend für mein Tun waren. Kurz vor Jahresende bin ich mit ihr zu einer praktischen Übereinkunft gekommen. Dergestalt, dass ich den Großteil der Fixkosten ihres Lofts übernehme und mir dafür eine Werkbank samt aller nötigen Maschinerie bei ihr einrichte. Ich also „nach Ikea hin“ und Küchenzeile nebst Arbeitsplatte gekauft. Dazu allerlei Kleinwerkzeug aus Hannover, eine Bandsäge, eine Kappsäge, Lötkram, Bohrmaschine (Marke „Flott“), Handoberfräse etc.


Sebastian Krüger

Jawoll. Der Sebastian hatte ein schönes, großes Objekt zum Bemalen gefunden ...