2009 - Harald Höntsch - ein tragischer Erfinder

Erfindungen & Tragödien

Der Klavierstimmer und die Tremolo-Umlenkrolle des Harald Hönsch

Über all die Jahre kam es immer wieder vor, dass wir Nachrichten von Typen erhielten, die vorgaben, wichtige Erfindungen gemacht zu haben, und uns diese gern für insbesondere unseren weiteren Erfolg andienen wollten. Glaubt mir, es ist heutzutage nicht leicht, an der Gitarre noch etwas grundlegend zu verbessern. Und insbesondere unterliegen die Ideen von Erfindern zuerst deren subjektiver Wertung. Ich denke immer noch mit Freude an ein altes Donald Duck Heft, in dem ein Erfinder mit leuchtenden Augen und wirrem Blick ins Büro des Dagobert Duck kommt, um seine automatische Orangensaftpressmaschine vorzuführen. Dagobert lässt sich breit schlagen und in kürzester Zeit ist sein gesamtes Büro mit O-Saft geflutet.

Es war irgendwann Anfang der 80er, als mit selbigem irren Blick ein Erfinder unser Haus betrat um seinen automatischen Gitarrenstimmer zu preisen. Dieser war eine Kombination von etwas, was es alles in allem schon gab: ein Stimmgerät verbunden mit einem kleinen Elektroschrauber, der, um den Mechanikenknopf zu drehen, dem Stimmgerät folgend die jeweilige Saite auf Stimmung bringen sollte. Das funktionierte nur annähernd genau und ich hatte einzuwenden, dass man vielleicht doch besser das Stimmgerät beäugen und entsprechend mit den Fingern die Mechanikenknöpfe drehen sollte, praktisch die verbale Zerstörung seiner Idee. Aber um den Erfinder nicht vollens zu frustrieren, schlug ich vor, er solle das mal für ein Klavier entwickeln. Seine Augen verdehten sich kurz und sein Mund formte folgenden Satz: "Gut, wenn Ihr mir dieses Projekt finanziert, dann erfinde ich dazu auch noch nen Roboter, der in das Klavier reinklettert!" Eieiei, diese Vermessenheit des Erfinders! Einen Elektromotor mit nem Stimmgerät zu koppeln, das ist doch das Einfachste der Welt! Fraglich, ob sowas überhaupt "Erfindungshöhe" hat. Und dieser verstrahlte Irre wäre im Leben nicht in der Lage gewesenen, einen Roboter zu erfinden. Das sind doch ganz andere Welten!

 

Und ich behaupte es auch heute noch! Dieser ganze digitalisierte elektrifizierte Quatsch gehört in die Mülltonne. Die Firma Gibson hat ja damit auch entsprechend hohe Verluste eingefahren.

 

Und - ach wie schön - s.o. dieses Schild an Daniel Düsentriebs Garage "AUSGEMUSTERTE ERFINDUNGEN".
Es ist nunmal so, dass nicht alle Erfindungen was taugen. Z.B. etwas an der Gitarre VERSTELLBAR zu machen, was vorher fest war, kann für die individuellen Vorlieben des Gitarristen nützlich sein, kann aber genauso zu vorher kaum absehbaren mechanischen Problemen führen.

Oder später, in den 80er Jahren, zu Zeiten der Gitarren mit durchgehenden Hälsen, Messing-Hardware, Sustain-Wahn gab es einen Typen namens Harald Höntsch, ein absolut liebenswerter Gitarrenspieler, Werkzeugmacher und eben Erfinder.

Harald war von der Idee besessen, dass die große Federkammerausfräsung für ein Strat-Tremolo absolut sustainschädlich sei. Diese Unterbrechung der Holzmasern, der Wegfall von Masse zwischen Tremolo und Hals.

Also kam er auf die Idee, die Tremolofedern hinterwärts des Tremolos unterzubringen, was nur mit sogenannten Umlenkrollen zu bewerkstelligen war. Mit dem Tremoloblock verbundene Stahlseile liefen von vorn über zwei Rollen nach hinten in den Body, wobei an deren Enden die herkömmlichen Fender-Federn angebracht waren, um ihren Platz eben hinterwärts in „unschädlichen“ Federkammern zu finden.

Mit dieser Idee und mit Patentansprüchen und Prototypen bewaffnet lief er Jahre lang wie ein Ferngesteuerter über die Frankfurter Musikmesse, um Abnehmer für seine Erfindung zu finden, „Wie wär’s denn mal mit einem Tremolo mit Umlenkrolle für Strat-Tremolos“?

Leider jedoch sah man unserem lieben Harald schon auf den ersten Blick seine speziell besessene Verwirrtheit an, was dazu führte, dass eventuelle Interessenten ihn von vornherein nicht ernst nahmen, über ihn lachten und dazu seine womöglich fundierte Idee mangels technischem Verständnis schon überhaupt nicht verstanden. „Was willst Du bitte, Du verückter Narr?“ Aber er soll sogar ein Angebot einer koreanischen Firma – ich glaube Samick – über an die 800.000 DM erhalten haben. Aber Harald wollte eine ganze Millionen und hat das Angebot ausgeschlagen. Also zusätzlich auch noch total geschäftsunfähig, dieser liebe, verstrahlte Geist!

Für die Fertigung von Prototypen, Patentkosten, Messestandgebühren etc. musste dieser Mann letztlich Haus und Hof verpfänden, ohne jemals auch nur einen Pfennig davon wieder heraus zu bekommen!

Harald ist leider vor drei Jahren arm und gramvoll verstorben. Fazit: Für gute Ideen und deren Umsetzung muss man mindestens auch das nötige Geld haben. Böse Welt!

Völlig irre, wie sich Menschen, besessen von einer schrägen Idee ohne Rücksicht auf Verluste in solche Aktivitäten hineinsteigern können.

Mehr hier: https://www.dieter-goelsdorf.de/de/places/2009-harald-h%C3%B6ntsch-ein-tragischer-erfinder.html

 

Es gab auch noch einen Lars Liebchen Der hatte Patente für ALLES!, auch ohne jemals davon profitiert zu haben

 

Na, ich ja selbst gebranntes Kind. Dabei waren einige meiner „AUSGEMUSTERTEN ERFINDUNGEN" durchaus nicht abwegig. Z.B mein „Dreadlook-Lack-Durchschleif-Patent“ - sogar vom fränkischen Musikinstrumentenhersteller mit dem "W" kopiert und seinerseits als Patent angemeldet.

Und ich hatte bereits 2013 ein optimal klingendes Wrap-Around-Tremolo mit einer „Nocken-Übersetzung“, welches trotz hohem Saitenzug unvergleichlich schmusig lief, aber wegen firmenseitiger Bedenken an die Seite gelegt wurde. Aber genau jetzt habe ich diese Idee wieder aufgenommen und Design und Technik perfektioniert. Ihr werdet es bald sehen!