2011

Januar 2011 - Paloma Diaz del Aguila



2010 war ein stressiges, unruhiges Jahr für mich. Das sollte sich aber gleich zu Anfang 2011 zum Glück ändern. Und das hieß Paloma und währt bis heute. Rauchend vor einem Meeresfrüchte-Restaurant in der Calle Alcala kamen wir ins Gespräch. Und da Paloma hinreichend Englisch sprach, musste ich mit meinem immer noch spärlichen Spanisch nicht radebrechen.

Natürlich habe ich gleich mit meinem Gitarren-Hintergrund angegeben und auch von meiner Schreiberei erzählt. Letzteres fiel sofort auf fruchtbaren Boden, weil sie (gebürtige Madrilenierin) vierzehn Jahre lang eine Buchhandlung betrieben hatte, spezialisiert auf Fotografie und Film. Doch damit war es nun dank Amazon vorbei. Sie war in mehrfacher Hinsicht praktisch am Ende: Der geliebte Buchladen ist den Bach runtergegangen, jetzt mieser Job in einem Call-Center der Orange-Telefon-Company, beide Eltern vor kurzem verstorben. Aber diese Frau hatte den Mut nicht verloren und war guter Laune. Und die sollte sich noch bei einem Drink in einem galizischen Restaurant steigern. Na ja, und dann kam es, wie es kommen musste: knisternde Sympathie auf beiden Seiten. Da ich aber keine respektable Briefmarkensammlung vorzuweisen hatte, musste meine Gitarrensammlung herhalten. Und so war es bereits um uns geschehen.

NAMM

Kurz darauf wieder auf die NAMM-Show. Duesenberg war jetzt total aufgestiegen am E-Gitarren-Himmel. Es gab die neue "Dragster"-Gitarre, die wir für Peter Strout mit einem Multi-Bender ausstatteten. Wir kamen in Kontakt mit Dave Stewart, dem wir eine Signature-Gitarre mit Artwork von Martin Huch samt speziellen Griffbrett-Inlays auf den Leib schneiderten. Und dann waren da noch die Eagles mit einer großen "Fullerton“-Gitarre und einem Bass, bei denen wir 3D-mäßig transparente Adlerschwingen auf die Korpusse gebracht hatten. Ingo hatte bei einem AC/DC-Konzert durch seine Roadie-Kontakte Backstage-Zugang und vereinbarte mit Angus Young, ihm ein spezielles Modell, ähnlich der Korpusform der Gitarre für Peter Strout, zu widmen. Und auch Keith Urban bestellte eine Dragster mit speziellen Features.

Mike - Crystal Cove
Der Graphiker Mike Ritto mit gutem Auge und Ohr für Schönes (Nathans bester Freund) hat uns nicht nur den Joshua-Tree-National-Park gezeigt, sondern auch noch einen schönen Flecken Erde südwestlich von Newport Beach. Die kalifornischen Strände erinnern an die andalusische Küste zwischen Cádiz und Tarifa, also dem Teil, der vom Atlantik besäumt wird. Breite Strände, Dünen, zwischendurch Felsen. Und da ist Crystal Cove. Kleine Holzhütten direkt am Strand und eine hölzerne Strandbar, wie ich sie sonst eher von spanischen Stränden kenne. Ein echtes Idyll, was leider alsbald einem hässlichen Bauboom zum Opfer fallen wird.


Und schicke deutsche Oldtimer kann man da entdecken. Außerdem hier meine (nicht ganz so schicken) Birkenstock-Sandalen, die ich (kleine Nebenerfindung) mit dekorativen Gamaschen versehen habe. Denn die Birkenstocks sind zwar das Beste und Bequemste für den Fuß, aber optisch fand ich die schon immer etwas anrüchig. Und­ mit diesen Gamaschen lässt sich jenes Fuß-Wohlgefühl auch im Winter genießen, wenn man ein paar schwarze Socken anzieht. Selbst im Regen bekommt man da keine nassen Füße!

Legenden


Manno, noch ein letztes Treffen mit Bill Lawrence. Und auf dem Stand auch Dick Dale, der Pionier der Surfmusik, der leider auch einige Jahre später von uns ging.


Dick & dünn

Hier sehen wir erstmal Derek-St. Holmes, zweiter Gitarrist in der Band von Ted Nugent. Aber man sieht auf der Namm auch jede Menge schräge Gestalten.

Ach Gott, da gehen sie hin, die Legenden. Das war Bill Lawrence’ letztes Jahr, und das Gebäude der Fender-Fabrik in Fullerton musste einem großen Parkhaus weichen. Nur ein schnödes Schild ist geblieben!

Martin Huch               Abe Laboriel jr.                                                 Brad Whitford

Draußen an einem der Hintereingänge der Namm sind all die riesigen Cases gestapelt, die von den Mitarbeitern der Truman-Gewerkschaft bewegt, entleert und wieder gefüllt werden. Da sind die Amis gut organisiert!



Austern im Kings Fish und Burgers mit Coca Cola am Strand



Umzug ins hannöversche Industriegebiet

Ja was? Waren wir industriell geworden? Bestimmt nicht in diesem Sinne! Aber das Domizil in Hannovers Südstadt platzte aus allen Nähten. Also hat Ingo nach einer neuen Lokalität gesucht – und gefunden. Meiomei, das war etwas ganz anderes: 2000 Quadratmeter, ein zweistöckiges Vorderhaus, wo man im Obergeschoss jede Menge Büros unterbringen konnte.

Direkt darunter von einem langen Flur abgehend befinden sich viele, viele Räume für unsere Gitarrenbauer. Der „Rest“ ist ein Flachbau mit reichlich Platz für Fertigung, Lager, Versand etc. Jedenfalls ein gigantisches Areal zu einem Mietpreis, der gar nicht so viel höher war als der für unsere Südstadt-Stätte.

Umzüge sind immer ein Gräuel, aber da muss man durch. Und die gesamte Infrastruktur war einfach perfekt. Dazu hatte Ingo eine Quelle für jedwede Sorte von Lagerregalen in jeglichen Größen aufgetan, ein Haufen Zeugs, das wir preiswert erwerben konnten. Regale für das Göldo-Parts-Lager und Hochregale für Gitarren, Koffer und den ganzen Kram, den man mitschleppt, anstatt ihn besser entsorgt zu haben.
Ein echtes Abenteuer. Aber wir haben alles durchgezogen, eine harte Malocherei. Erstmal diverse Trennwände aus Gipsbeton ziehen. Dann in der Krausenstraße alles abbauen, verpacken, beschriften, eine Umzugsfirma beauftragen, am Bestimmungsort alles wieder positionieren, auspacken etc.


Die Firma hatte jetzt vergleichsweise eine riesige Dimension angenommen, ich konnte es kaum noch fassen. Da habe ich zum ersten Mal überlegt, Ingo einen Teil der Firmenanteile zu überschreiben. Das natürlich auch, weil ich durch ihn erst in der Lage war, im genialen Spanien leben und meinen technisch-designerischen Teil und meine Sicht der geschäftlichen Dinge weiterhin zum Wohle unserer Firma beisteuern konnte. Man ist ja jederzeit über Telefon und Emails perfekt verbunden. Und Ingo hatte einfach genialerweise diesen Blick für neue, andere, umgreifendere Dimensionen.

Chef-Büros
Links das von Ingo, rechts das meine (wenngleich meist verwaist) ...

Als Erstes wurden die Werkstatt und die Räume der Gitarrenbauer fit gemacht, alles viel funktioneller als zuvor. Dann wurden die Büros eingerichtet. Zum Glück verfügte unser neues Domizil bereits über die von der Heizungsfirma, die dort vorher in Konkurs gegangen war, perfekt verlegte Datenleitungen. Jetzt nur noch die Computer ans Netz und alles funktionierte nach wenigen Tagen einwandfrei.




Ach welch nette Leute!

Hier sehen wir Bodu Suss, unseren Schweizer Duesenberg-Distributor, ein echt engagierter Motorrad-Freak, der sein kleines Alpenland mit jeder Menge Duesenbergs versorgt. Und den Engländer Chris Distin, der neu bei uns anfing, um die Plek zu bedienen. Auch ein super Typ, dessen Muttersprache uns in vielen Dingen zugutekommt.


Dave Stewart

Martin Huch hat diese wunderschöne Graphik für die Dave-Stewart-Signature-Gitarre entworfen. Dave, eine echte Größe im Showgeschäft. Mit Annie Lenox und den Eurythmics hat er Musikgeschichte geschrieben.


Dave Stewart: Missionary Man

https://www.youtube.com/watch?v=Ye9WhV7rzDM

Dave Stewart: Beast called Fame

http://www.youtube.com/watch?v=8Z3N9VC7aFs&feature=youtube_gdata_player

Dave Stewart Jam Session - Hollywood and Vine

http://www.youtube.com/watch?v=bIsC_eFCkoc


Die Adler / The Eagles

Gitarren und Bässe für die "Hotel-California-Boys": Ein aufregendes Projekt! Die Eagles hatten unsere Idee, für sie eine spezielle Instrumentenserie zu fertigen, begeistert aufgenommen. Stars von solchem Weltruhm könnten ja bei den großen US-Firmen alles Mögliche anschieben und sich dafür auch noch fürstlich bezahlen lassen. Aber diese Typen sind einfach Musiker von der Pike auf, ohne Arroganz oder gar Standesdünkel. Die standen einfach auf unser Design.
Also, was tun? Für die Eagles muss ein Adler her, ist doch klar! Unsere großflächigen Fullerton-Korpus Designs  boten sich an, da etwas derartiges aufzubringen. So kamen wir auf die Idee, aus transparentem Kunststoff 3-D-mäßig erhabene Adlerschwingen fertigen zu lassen. Die klebten wir auf metallic-gold lackierte Korpusse und lackierten das noch mal klar über. Eine edle, dezente Optik, die keinesfalls überladen wirkte.


Auch eine Montage von Martin Huch. Noch kleine Änderungen an der Resobro ...


Duesign

Diverse Design-Ideen, die genau so jedoch nicht umgesetzt wurden (Garage). Z.B. der Schalter im transparenten Pickguard innerhalb des F-Lochs, allerlei Solid-Body-Entwürfe und ein frecher Violin-Bass mit nur einem Pickup.



Single Twins – Zunächst eine böse Überraschung!

Alle bisherigen Versuche, Single-Coils „brummfrei“ zu machen, erwiesen sich bei näherem Soundcheck als unbrauchbar. Alle möglichen Firmen hatten das versucht und angepriesen als die Erleuchtung. Zwei Spulen übereinander, nebeneinander, was immer. Selbst wenn der Klang dieser Pseudo-Entwicklungen einem Single-Coil sehr ähnlich war, fehlte letztlich das Attack, die Dynamik beim Anschlag – laut und leise. So kam ich auf die Idee, wie bei einem Precision-Bass-Pickup zwei gegenpolige, vertikale Spulen in einem Strat-Pickup-Gehäuse unterzubringen. Das ging und es klang super, genau wie ein echter Single-Coil. Und dann die böse Überraschung: Als ich die G-Saite nach oben in Richtung D-Saite zog, löschte sich der Ton aus. Scheiße! Das musste von dem gegenpoligen Magnetfeld kommen, das sich zwischen den Saiten ergibt. Einzige Lösung: die Spulen schräg versetzt zu positionieren, sodass die Magneten weiter auseinander liegen. Passt natürlich nicht mehr in ein Single-Coil-Gehäuse. Aber durchaus machbar für einen Fender-artigen Pickup in einem Mini-Humbucker-Gehäuse und für einen P-90 (größere Ausmaße in einem Humbucker-Gehäuse). Wie soll man das nennen? Idee: Single Twins! Und so ist er entstanden, der P-90 als authentischer Humbucker und der Mini-Single-Twin als „Fender-Sound“-Replacement ohne Brumm.
Das war ein beträchtlicher arbeitstechnischer und vor allem finanzieller Aufwand, denn Magnete in speziellen Abmessungen mussten geordert werden, Spulenkörper lasern lassen, und eine mit neuen Abmessungen designte Neusilber-Kappe samt Bodenblech für die Mini-Version und diverse Prototypen mit meiner kleinen Wickelmaschine herstellen. Aber es hat funktioniert. Für einen authentischen Sound ist nichts zu aufwendig und nichts zu teuer!

D-Tron Humbucker

Und noch ein neues Mitglied in der Duesenberg-Pickup-Familie: Der D-Tron ist ein Alnico-Humbucker mit mittlerem Output und einem definierten, klaren und schimmernden Klang mit exzellenter Obertonwiedergabe. Der D-Tron liefert die klassischen Clean- und Crunch-Sounds, die für Country, Rockabilly, Westcoast, Rock und alles, was dazwischen liegt, stehen. Und für die Gitarre von Peter Strout dazu sehr duesige Griffbrett-Inlays.


Angus Young

Griffbrett-mäßig haben wir aber noch einen drübergelegt: Wir erfuhren, dass die Jungs von AC/DC vor jedem Auftritt Domino spielten. Angeblich insbesondere Angus Young war davon begeistert. Was macht man also Schönes, um diesem Herrn eine personifizierte Gitarre auf den Leib zu schneidern? Ein Inlay in Form eines 12er-Domino-Steines am 12ten Bund!

Los Dooros - Formentera

Jawoll, ein schöner Wochenendausflug mit meinen Dooros auf meine Lieblingsinsel. Oben wir Drei vor der Höhle, in der in den 70er Jahren King Crimson und Pink Floyd Sessions veranstaltet haben sollen. Und dann ein triumphaler Auftritt auf der Plaza San Fernando.

Zum Glück wurde das Konzert von Uli Eisner live mitgeschnitten, sodass es ein paar schöne Youtube-Videos in bester Tonqualität davon gibt. (Beim letzten Song hat sich Ecki – der neue Formentera-Guitars-Inhaber – von seiner besten Seite gezeigt.)

Break On Through https://youtu.be/LoLVSthMpw4

Whiskey Bar / Backdoor Man https://youtu.be/jZEIUHIkt4c

Hello I Love You https://youtu.be/a5U3v5j9d0w

Soul Kitchenhttps://youtu.be/INbzBqjpmxk

Love Her Madly https://youtu.be/itlzkoSKPcw

Love Me Two Times https://youtu.be/SISlv9sz5lc

Who Do You Love https://youtu.be/c4Cht8Y3xvA

After Dark https://youtu.be/J7OgF8DrRhk

When The Music's Over - Gloria https://youtu.be/mNe9U1pvy1A

 

30179 Hannover, Lilienthalstr. 2

Schöne Einweihungsparty im neuen Firmensitz. In der Mitte Uwe Hassbecker, Gitarrist der genialen Band Silly. Ganz rechts Olaf Giebe, unser Patentanwalt (und obendrein genialer Gitarrist).

Eine schöne Torte gab es auch noch … Und unser Showroom erstrahlte.