1980 - 1982

1980 – Service Box

Rockinger Service Box


Um mit den Händlern besser ins Geschäft zu kommen, haben wir die „Rockinger-Servicebox“ entwickelt. Ein großer Holzkasten mit beschrifteten Sortimentschubladen aus Plastik, in denen sich so ziemlich alles befand, was man im Laden an Replacements und Reparaturteilen benötigte: Buchsen, Potis, Schalter, Schrauben etc. Zum Glück hatte ich in Göttingen ein paar nette Kumpels, die ein Stadtmagazin rausbrachten und einen Fotosatz-Computer hatten. „Normale“ Computer gab es ja noch nicht, und so habe ich da jede Menge Schriftkram setzen lassen – Überschriften in den Katalogen und insbesondere die Etiketten für die Schubladen der Servicebox. Das kam bei allerlei Gitarrendealern und im Großhandel gut an.

Harald Kadagies

Wild


1979 war ein Konkurrent auf den Plan gekommen, Harald Kadagies‘ „Sound & Vision“ in Bremen. Der bot amerikanische Produkte an, die ersten Di Marzio-Pickups, Boogie-Bodies, Warmouth, Schecter-Hälse und Gitarren, Shielding-Kits und allerlei Fachlektüre. Die Zeit für derlei Produkte war einfach reif, die ganze Gitarrenwelt trachtete danach, ihre Instrumente per „Tuning“ zu individualisieren. Und wir waren mittendrin.

Unser Katalog war klein (A5-Format) und zweckdienlich, aber nicht unbedingt charismatisch. Haralds Katalog war dicker und in A4. Dazu erweckte er den Eindruck, dass in dieser Firma mehrere Leute arbeiteten („Ihr könnt die Crew ab 11 Uhr aus dem Bett klingeln!“).

Harald Kadagies

Harald war schon immer ein sehr netter Typ, obendrein mit korrekt hanseatischem Benehmen. Damals (er mal gerade Anfang 20) hatten wir uns auf der Frankfurter Musikmesse getroffen, und er war sofort bereit, unsere Bausätze (schon die mit durchgehenden Hälsen) mit in sein Sortiment aufzunehmen. Konkurrenz kann befruchten!

Wir schwatzten oft am Telefon und zogen irgendwann in Erwägung, beide Firmen zu fusionieren. Die Sache hatte allerdings einen kleinen Haken: Harald gab seine Sorgen betreffs seiner amerikanischen Lieferanten preis und offenbarte nicht viel später, dass er im Falle einer Fusion Schwierigkeiten hätte, das bereits vereinbarte Einstandskapital aufzubringen. Nur ungern wollte ich mich von dem Gedanken verabschieden, auf diesen Mann zu verzichten. Schon allein seine Kataloge waren echte Meisterwerke in Sachen Graphik und Text; Meilen besser als unser Letraset-Geklebe und Geschreibsel.

Züli und ich beratschlagten, wie man diesen genialen Mann in unser bereits florierendes Unternehmen integrieren könnte, und vereinbarten mit Harald einen Termin in Bremen.

11 Uhr vormittags, wir waren angemessen hanseatisch pünktlich. Hm, etwas merkwürdig, ein gediegenes Jahrhundertwende-Mietshaus, dessen Klingelschild signalisierte, dass sich Haralds Sound & Vision Laden im zweiten Stock befand. Auf unser Klingeln tat sich erst mal nichts. Kurz drauf verließ ein pennerartig wirkender junger Mann das Haus (stellte sich später als Sänger von Haralds Band „A5“ heraus). Erst dann wurde geöffnet, Ok, wir also hinauf und hinein in die heiligen Hallen. Da hauste also dieser Harald in jener großen Altbauwohnung, die er zum Teil als Showroom für seine Parts und Schecter-Instrumente optisch brilliant gestaltet hatte. Die von uns erwarteten Mitarbeiter gab es nicht, eine geniale One-Man-Show. Und Harald hatte eine korrekt geführte Kartei mit jeder Menge Kunden und reichlich Bestellungen, denen er allerdings aufgrund der Säumigkeit seiner – insbesondere amerikanischen – Lieferanten nicht nachkommen konnte. Zudem hatte ihm gerade die Firma Meinl den Vertrieb für Di Marzio-Pickups abspenstig gemacht. Und auch Schecter wechselte gerade zur Konkurrenz, nämlich zu Musik Schell.

Harald schien gerade erst dem Koma entstiegen zu sein, kam aber langsam wieder durch und wir widmeten uns schließlich dem Zweck unseres Treffens. Unsere Skepsis wich angesichts des perfekt gestalteten Showrooms und Haralds offensichtlichem Ordnungssinn, sodass wir tatsächlich übereinkamen zu fusionieren. Wir beglichen seine Restschulden und er machte sich unverzüglich an die Arbeit, einen richtig geilen Rockinger-Katalog zu gestalten. Ach ja, der Name Rockinger war entlehnt vom hannoverschen Gitarristen Arndt Schulz, der sich eben Arndt „Rockinger“ Schulz zu nennen pflegte. Arndt hat alsbald jede Menge Pickups bei uns gewickelt.

Dieter, Arndt und Michi

Umzug

Rockinger Schild

Rockinger Hinterhaus

Passend zur Fusionierung beschlossen wir, allesamt nach Hannover umzuziehen. Meiner quasi-Heimatstadt, Rock City mit der größten Anzahl von Bands bundesweit. Da haben wir die erste Etage eines schnuckeligen Hinterhauses in der Südstadt an der Hildesheimerstraße gemietet, Teil eines ehemaligen Fahrad-Reparaturhauses.

Henner, Horst, T-Shirt und ich

Als wir firmenmäßig umzogen, blieben Hanni und Jule ein Weilchen in Göttingen und wir Gesellschafter wohnten erstmal alle drei in unseren Büros – eine Firmen-WG sozusagen.

Firmenbett

Unser Obergeschoss hatte einen langen Gang. Links zum Hof waren die Büroräume und rechts ein riesiger, ca. vier Meter hoher, leerer Raum mit zwei großen Oberlichtern im Dach. Harald hat dann ein Drittel davon in einen eindrucksvollen Showroom samt Versandabteilung verwandelt – die anderen zwei Drittel waren für die Werkstatt bestimmt.

Henner

Harald, Harald, Harald Kadagies … Ein wirklich genialer Designer und Werbetexter, ein Mann des zielsicher guten Geschmacks mit einer fetten Ladung Rebellion. Er hatte eine abenteuerliche Kollektion von Heavy-Metal-Bodies designt und im neuen Rockinger-Katalog alle Kreationen so schmackhaft beschrieben, dass einfach jedem Freak das Wasser im Munde zusammenlaufen musste. Außerdem besaß er eine dicke Sammlung Heavy-Metal-Comics. Eins davon war eine Story über einen Phantasie-Rocker namens „Heilmann“, der sich mit seiner mit weiblichen Brüsten verzierten Gitarre Duelle mit anderen Gitarristen lieferte und diese schließlich mit einem „Strahl extrem schräger Töne“ ins Jenseits schoss. Daraus hat Harald dann ein paar sehr schöne Anzeigen kreiert – Heilmann und seine Gitarre, exzellent bestückt mit Rockinger Parts: „Dieser Sound ist ein Killer!“ Und später haben wir diese Gitarre sogar gebaut, es musste sein…

Comic

Eine meiner Maxime lautet: „Die guten Kräfte zusammenbringen.“ Und die Kräfte bleiben gut, solange sie alle in die richtige Richtung gehen. Manchmal kommt es jedoch anders. Und so auch bei Harald. Leider war unser Chef-Designer psychisch ziemlich unstabil und neigte zu erhöhtem Alkohol- und Drogenkonsum, der alsbald zu einem depressiven Dauerzustand führte. Das wurde über das kommende Jahr derart unerträglich, dass wir ihm nahelegen mussten, zu gehen.

Dennoch: Harald war durch seine Design-Verliebtheit eine prägende Figur bei Rockinger, von der wir viel gelernt haben. Längst wohnt er auf La Gomera, seinem Traum-Exil im atlantischen Ozean … Doch der Kontakt riss bis heute nie ab. Hier seine jüngste Email: „Ach, alter Freund, wir gehen nirgendwo mehr hin – meine Partyzeiten sind vorbei – wie soll eine Kreatur derartig Treiben nüchtern ertragen – wir verlassen nur ungern die eigene Scholle – meiden die feindliche Aussenwelt mit ihren verwirrenden sozialen Verflechtungen – müde bleischwer sinkt das Greisenhaupt in die Kissen zurück – nimmermehr – nimmermehr! H.“

Hier mal zwei Beispiele von Haralds herrlichen, selbst produzierten Comics:

Rockinger Preisrätsel

Rockinger Comic

1980 – Fender Replacement Parts

Binding bodies

Ende 1970 gab es ja schon allerlei Parts auf dem Markt. Es war nicht mehr unbedingt die Zeit, ganz neue Dinge zu erfinden. Aber dafür war es jetzt angebracht, zu nörgeln, bzw. die Qualitäten bestehender Dinge zu analysieren und das daraus resultierende Wissen anzuwenden.

Der Hauptanlass war das Ende der Leo-Fender-Gitarren – sprich: der Verkauf  von Fender an den amerikanischen Multi-Allround-Musik-Konzern CBS. Was dann fortan unter der CBS-Regie produziert wurde, klang offensichtlich nicht mehr so gut, wie vorher. Und sah auch mit den neuen, klobigen Shapings nicht mehr so gut aus. Die jetzt eingeführten Drei-Punkt-Halsbefestigungen wären ja noch okay gewesen, hätten die Halstaschen nur nicht so viel Spiel gehabt. Und das ursprünglich schöne Stahlblock-Tremolo der Strat war einem billigen, im Ganzen gegossenen Zinkteil gewichen, was sich äußerst gern verstimmte. Alle Welt trachtete danach, noch irgendwie eine Pre-CBS Fender zu ergattern.

Und so erlebten die noch unter Leo Fender hergestellten Gitarren und Bässe eine unglaubliche Renaissance. Ob nun als Ganzes, oder in Einzelteilen. Das galt auch für Kopien aus entweder den gleichen Hölzern, oder aus exotischeren Materialien, wie Bubinga, Zebrano, Palisander ect.

Gitarrenhals

Diesem unerwarteten Boom wollten wir nicht tatenlos zusehen. Die Hälse konnten wir selbst fertigen, wie schon bei unseren Bausätzen – auch mit durchgehenden Hälsen (wobei die Kopfplatten wesentlich mehr Arbeit machten). Zudem verlangte es der Markt, dass wir lackierte Hälse anboten. Durch einen glücklichen Zufall haben wir dann etwas außerhalb von Hannover einen genialen Lackierer gefunden, der nicht nur lackierte, sondern auch mit Feinschliff- und Polierböcken arbeitete und beste Oberflächen produzierte. Außerdem boten wir darselbst ein Rockinger Mattlack-Spray feil..

Gitarren-Lackspray

Aber was ist mit den Bodies? Idee: Die Stilmöbelfabrik meiner Schwiegereltern. Denen haben wir die Schablonen für die Außenformen gegeben und kubikmeterweise Holz eingekauft. Dann wurden die Rohlinge auf die exakte Außenform gefräst und wir brauchten sie dann nur noch abzuholen. Fürs Hintergrundwissen: So ein Body wird ja erst an der Bandsäge etwas größer ausgesägt und danach an der Kopierfräse auf genaues Maß abkopiert. In dieser Fabrik arbeitet eine Frau, die die Rohlinge an der Bandsäge derart schnell aussägte, dass man das kaum fassen konnte. Die Rohlinge hatten aber weder Shapings noch Ausfräsungen, einfach nur die Außenform und oben und unten plan. Zeitgleich haben wir uns für 600 Mark eine alte, aber voll funktionstüchtige Schanbacher & Ebner-Kopierfräse gekauft, sowie eine Tischfräse für die Shapings. Dazu natürlich die passenden Fräser und jede Menge Schleifgerätschaften, um alles zu glätten und zu verrunden und – nicht zu vergessen – eine Absauganlage für Staub und Späne. Und da hatten wir sie, die „Fender“-Bausätze!

Schanbacher

Gerda Maus

Mitarbeiter-/Innen und Aushilfskräfte hatten wir ja schon von Anbeginn, insbesondere, was diese lästige Buchhaltung betrifft. „Bei einer Firmengründung müssen als Erstes Finanzen und Buchhaltung hieb- und stichfest sein!“ hatte mir ein befreundeter Betriebswirt eingebläut. Und so kam Gerda Maus ins Spiel. Die stets gut gelaunte, junge Frau kümmerte sich akribisch und gnadenlos um die Finanzen. Und den Versand hat sie auch gleich mit erledigt. Ihr Eifer und überhaupt ihre ganze Erscheinung nahm dann Harald zum Anlass, eine provokante, ganzseitige Anzeige im „Fachblatt“ mit einem Foto von Gerda zu gestalten.

Gerda Maus

Skandal-Anzeige

Horst Gropp

Horst Gropp

Horst Gropp, oft einfach nur „Grumm“ oder „Herr Grumm“ genannt, hatte schon auf Basis unserer Entwürfe die allerersten Bausätze klargemacht.. Er war praktisch unser erster Tischler/Gitarrenbauer. Ein super kreativer Typ mit bestem Humor. Zusammen haben wir unsere Holzbearbeitungen weiter ausgebaut und den Maschinenpark vergrößert. Aus gutem Grunde alles Profimaschinen, kein Krempel vom Baumarkt. Und einige davon waren echte Kolosse, wie die stationäre Oberfräse, eine große Tischfräse und die Bäuerle-Astlochbohrmaschine mit drei Bohrfuttern, ein echtes Tier.  

Maschinen Gitarrenbau

Tatsächlich mussten wir ein Klaviertransport-Unternehmen beauftragen, um uns diese gewaltigen Teile in unser Obergeschoss hieven zu lassen. Blanke Amateur-Muskelkraft wäre vergeblich gewesen …

Jetzt konnten wir endlich an der Oberfräse die Ausfräsungen für Hals, Pickups, Elektrik und Bindings machen und an der Tischfräse die Shapings für Unterarm und Plautzenbauch fachgerecht erledigen. Die Body-Rohlinge kamen immer noch aus der Möbelfabrik, die Halsrohlinge von der Erlanger Holzfirma und die Griffbretter vom Klier. Zum Einpressen der Bünde haben wir uns eine massivere Ständerbohrmaschine besorgt,, in deren Bohrfutter der leicht nach innen gewölbte Einpress-Stempel verankert war.

Unsere Bausätze mit durchgehenden Hälsen liefen zwar noch ganz gut, obwohl die Vielzahl der Musiker lieber etwas Fertiges kauft, anstatt ein eigenes, kreatives Design für sich zu verwirklichen. Aber die Tendenz ging nun mehr in diese Fender-Schraubhals-Technik und das „Tuning“ per Guitar-Parts.

Rockinger Bausatz

Und hier noch ein Katalog-Vorwort, was damals ganz gut ankam:

Vorwort

Durch die Anreicherung unseres Sortiments mit allerlei Messing-Hardware nahm die Gewichtsbelastung unserer am Anfang eher unstabilen Billig-Regale extrem zu, und es kam, wie es kommen musste: bei einem Regal knickten die Beine ein, es fiel zur Seite und riss die anderen Parts-Regale mit wie die Domino-Steine. Das hat uns Zeit und Geld gekostet.

Kaputte Regale

Custom Kits

Es wurde Zeit, unsere Angebotspalette auszuweiten. Unsere „Standards“, wie Strat, Tele, Jazz-Bass und P-Bass-Bodies erweiterten wir duch Explorers, Flying Vs und eine verkleinerte „Mini“-Explorer. Und ganz wichtig dabei: Wir waren den Amis weit voraus, weil die nämlich aus transport- und organisationstechnischen Gründen für Europa nur Bodies mit Standardfräsungen anbieten konnten.

So entwickelten wir ein modulares Fräs-System, mit dem wir z.B. Strat-Bodies mit Tele-Halsausfräsung und Humbucker am Steg, oder Tele-Bodies mit Strat-Tremolo, Mittel-Pickup und rückseitigem Elektrikfach anbieten konnten – Custom-Kits, jeglicher Variationen. Frästechnisch lief das alles über die Mittellinie und die Stegposition, um zu garantieren, dass die Saiten über den Korpus absolut mittig verliefen und die Mensur (Sattel bis Steg) genau stimmte. Dafür hatten wir einen Trägerboden, in den von oben entsprechende Aufnahme-Rahmen für die Body-Rohlinge eingesetzt werden konnten. Für die Unterseite hatten wir jede Menge Einlegeplatten (Schablonen), mit den verschiedensten Ausfräsungen, die jeweils für den entsprechenden Kundenwunsch ausgetauscht wurden.

Zwischendurch mal ein Blick in unserem Showroom nach dem Regal-Einsturz-Desaster…

Showroom

Rockinger Showroom

Etwas Technik…

Üblicherweise hat eine professionelle stationäre Oberfräse (auch Kopierfräse genannt) einen absenkbaren, hochtourigen Motor mit Aufnahmefutter für Fräser verschiedener Durchmesser und Profile. Zentrisch darunter befindet sich eine Aufnahme für auswechselbare Führungsstifte, ebenfalls verschiedener Durchmesser. Die greifen in die Einfräsungen der Schablonenböden, sodass sich der Body nur so weit bewegen lässt, wie der im Tisch befestigte Führungsstift dies zulässt. Somit wird die Form der Schablone sauber 1:1 in den Body kopiert. Und sollte eine Fräsung – aus welchem Grund auch immer – zu klein sein, wechselt man einfach den Führungsstift gegen einen kleineren aus, sodass der Fräser etwas mehr wegnehmen kann.

An dieser Maschine haben wir auch die Bindings gefräst. Da nimmt man z.B. einen Führungsstift von acht Millimeter Durchmesser und einen Fräser von zwölf Millimeter Durchmesser, der dann rundum zwei Millimter wegnimmt. Man achte auf den schönen Aufkleber, den Horst auf den Fräsmotor geklebt hat (10 Jahre Alkohol am Steuer)!

Fräsung

Schanbacher Fräse

Nach Gerda und unseren zweiten „festen Mann“, Horst, kam dann: 

Henner Malecha

Henner Malecha

In Sachen Bass war unser Henner ein einflussreicher Mann in der immer schneller wachsenden Firma. Ein totaler Jazz-Bass-Freak, der einige richtig alte Jazz-Bässe besaßund ständig aus irgendwelchen Teilen eigene Kreationen dieses Models zauberte

„Onkel Hennes“ war wirklich ein Besessener und hat schon damals die genauen Pickup-Positionen der Bässe als das Wichtigste erachtet. Und in der Tat, das stimmte tatsächlich, weil sich bestimmte Obertöne so am besten erzeugen lassen. Und die Shapings der Bodies waren Henner fast ebenso wichtig; diese eleganten Verschlankungen für den Bauch und für den Unterarm.

Die Münchener Studio-Basslegende Günther Gebauer spielt heute noch begeistert unseren Fretless mit Ebenholz-Griffbrett. Und immer, wenn wir einen neuen Bass entwerfen – egal mit welcher Mensur – sind mir das bis heute die wichtigsten Details.

Und noch eine nette Begebenheit: Henner hatte eine kurzzeitige Liebschaft mit einer Russin namens Tamara. Da hat er immer auf der Melodie von „Caroline“ (Status Quo) folgendes vor sich hin gesummt: „Tamara, Tamara, ob Brutto, Netto oder Tara. Tamara, Tamara, sweet love“.

Bass Jazz-Style Shaping

Mintgreen Pickguards

Mint Pickguards

Als die ersten Strats gebaut wurden, hatten die natürlich knallweiße Pickguards – damals aus Zelluloid – ABS oder PVC wurde damals noch nicht verwendet. Aber woran erkannte man als erstes eine alte Strat? Nun, man wusste ja schon damals (1979), dass der erste Anhaltspunkt für eine Pre-CBS-Strat eine leicht grünliche Pickguard-Farbe war, die aus einigen Jahren UV-Licht-Einwirkung resultierte – d. h., dass im Laufe der Jahre die obere weisse Schicht anfing, transparenter zu werden. Dadurch scheint die schwarze Mittelschicht nach außen durch und erzeugt somit jenen grünlich scheckigen, markanten Farbton, der des kundigen Sammlers Herz schon damals höher schlagen ließ.

Also habe ich den Kolophonium-Fachmann Herrn Glassl gefragt, ob man diesen Farbton nicht reproduzieren kann. Kann man! So haben wir dann aus Italien von einer Zelluloidfabrik, die einem jeden x-beliebigen Farbton herstellen konnte, dieses Pickguardmaterial bestellt. Die gießen das Zeugs in Blöcke, messern das (wie Furnier aus Holz) in dünne Schichten und laminieren die obere und untere Schicht mintgrün mit einer Mittelschicht in schwarz. Ein paar tausend Mark musste man damals schon locker machen für eine Mindestbestellmenge. Aber das war uns letztlich egal, denn wir waren auf dem richtigen Weg. Unsere „original“ Zelluloid-Pickguards waren noch authentischer als die, die einige Jahre später die Japaner und danach die Koreaner aus PVC oder ABS produziert haben.

Horst und Tom

Tom Kaiser

Nach Horst war Tom Kaiser der zweite Tischler, der bei uns anfing. Der hat sich sofort, nachdem wir uns eine weitere Tischfräse angeschafft hatten, mit noch mehr Akribie an die Shapings der Bodies gemacht und solange rumprobiert, bis alles noch perfekter – oder besser gesagt – mit weniger Nachschleifarbeit zu produzieren war.

Auf einer Tischfräse war stets der dicke 40cm –Kopf montiert, mit dem wir die Griffbretter auf Wölbung gefräst, und das Unterarm-Shaping der Bodies herausgearbeitet haben. Für das rückwärtige Bauch-Shaping hatten wir auf beiden Maschinen dicke, zylindrische Fräser montiert, die beide, zusammen genommen, dann gegenläufig liefen. Das hatte einen bestimmten Zweck: Wenn beim Bauch-Shaping der Fräskopf in das Holz eintaucht und am tiefsten Punkt angelangt ist, beginnen die Messer des Fräskopfes gegen die Maserung nach außen zu fräsen. Dabei kann es passieren, dass das teure Holz nach orn ausreißt: Ausschuss, Müll. Also fräst man – um das zu vermeiden – mit der einen Fräse im Uhrzeigersinn bis knapp zur Mitte und dann mit der zweiten von der anderen Seite her gegen den Uhrzeigersinn. Somit kann in der Mitte nichts Böses mehr passieren.

Und Zurück zu den Halspassungen: Wer in den Besitz eines alten Rockinger-Bodies sein oder geraten sollte, und da in der Halsfräsung den Stempel „Grumm„ oder „Tom“ entdeckt, kann sicher sein, dass er da ein wertvolles Sammlerstück ergattert hat! Insbesondere Horsts Art, jede Halsausfräsung von Hand zu signieren, war stets eine Zeremonie und seine Halsausfräsungen waren wirklich immer äußerst akkurat. Wir haben später darüber mal eine Anzeige gemacht mit der Headline „Rein musser, und wenn wir beide schreien!“ Horst Gropp: Ein Supertyp…

Bodies S-Style

Und ich weiß nicht mehr, wie viele Nächte wir mit ’ner Kiste Bier an der Werkbank gestanden und neue Ideen und Designs entwickelt haben. Eines der ersten Projekte war diese Gitarre mit den weiblichen Brüsten aus dem Heilmann-Comic von Harald Kadagies. Da haben wir wirklich fast bis zum Morgengrauen an diesem wunderbaren Körper herumgefräst und geschliffen, eine wahre Freude, als man endlich mit der Hand darüber streichen konnte und sich alles – von der Elastizität mal abgesehen – einfach perfekt anfühlte!

Tittcaster

Headless

Als die Headless Bässe immer mehr in Mode kamen, hat Horst da ein nettes Design beigesteuert, den „Grum-Stick“. Und Tom arbeitet hier bis heute, wobei er nach über dreißig Jahren mit seinen langen Haaren derjenige von uns allen ist, der noch fast genauso aussieht wie damals.

Grum stick