2015 Spanischer Schinken und eine Räuberpistole mit Raimundo Amador

Am Rande ...

ein spanischer Schinken erster Güte und die alte Kontroverse ...

Und jenseits des Schinkens noch etwas über Spanien samt einer kleinen Räuberpistole ...

In Spanien leben zu können, ist das Beste, was mir passieren konnte. Die Menschen hier sind einfach angenehme Menschen, sie sind kommunikativ, ein wenig mystisch, relaxter und fürchten keinen Kontrollverlust. Aber sie besaufen sich nicht so hemmungslos wie all die  Nordländer, die hier seit ewig einfallen, um die Sau rauszulassen.

Sobald man sich jedoch in Spanien in geschäftliche Dinge begibt, zeigen sich gern mal die Schattenseiten dieses Landes. Täglich verkünden die Nachrichten, dass wieder ein Bürgermeister wegen Korruption oder Bestechlichkeit in den Knast gewandert ist. Jüngst kam auf, dass eine Landesbank seit  11 Jahren "schwarze" VISA-Karten an exakt 86 Personen der hohen Politik diverser Parteien und an führende Personen der  Wirtschaft verteilt hat, mit denen jeder sich pro Jahr sage und schreibe 50.000 schwarze Euro "ziehen" konnte. Bei uns musste Präsident Wulff für eine Vorteilsnahme von € 700,- abtreten. Jeder Spanier würde darüber nur lachen. Hier geht es in Sachen Steuerhinterziehung und Vorteilsnahme um Millionenbeträge! Selbst dem Ehemann der Königstochter droht eine Strafe von an die 20 Jahre! Der hat nicht nur riesige Rechnungen an staatliche Institutionen für überhaupt nicht geleistete Arbeit geschrieben, noch für die eingenommenen Abermillionen einen Eurocent Steuern bezahlt! Und Juan Carlos, der König darselbst, musste beim spanischen Volk dafür Abbitte leisten, dass er sich in delikater Frauenbegleitung auf Elefantenjagd begeben hatte. Und das lange bevor im Jahre 2020 herauskam, dass er von den Saudis für die Vermittlung in Sachen einer gigantischen Eisenbahn-Anlage als Provision 100 Millionen Schwarzgeld kassierte und davon angeblich 65 Millionen seiner Geliebten Corinna überschrieben hat. Was für Zustände sind das!

Spanien, das ist wie ein lebender Körper, dem man eine Unzahl von Blutegeln angelegt hat, und jeder Egel saugt sich voll von allem, was zu holen ist. Und dieselbe Aussaugmentalität haben auch die meisten spanischen Arbeitgeber gegenüber ihren Untergebenen, woraus resultiert, dass für die meisten Arbeitnehmer  Verantwortungsbewusstsein ein Fremdwort ist.  Warum Verantwortung tragen, wenn man einen Scheiß verdient? Kurz vor seinem Eintritt ins Gefängnis hatte noch der spanische Arbeitgeberpräsident verkündet, dass die Spanier mehr arbeiten und weniger verdienen müssten.

Also kein Wunder, dass es hier zu jeder Menge Unregelmäßigkeiten kommt! Deshalb nun zu meiner kleinen Kriminalgeschichte, in der auch ein wichtiger Schinken vorkommt:

Raimundo & die Transporteure


Mein guter Freund und Gitarrist Raimundo Amador besitzt zwei Duesenberg-Gitarren. Und an denen wollte er einige Dinge modifiziert haben. Also: beide Gitarren per Fedex bei ihm abholen lassen und zu mir nach Madrid bringen.

Da Raimundo nur einen Karton hatte, schickte ich ihm per Fedex am Donnerstag, den 11. Dezember einen Karton mit darin befindlichem Gitarrenkoffer unter der Fedex-Nummer 804473476396. Ebenso beauftragte ich Fedex, die beiden Kartons am 12.12. bei ihm abzuholen.

Folgendes geschah:

Als der Fahrer von "Correo Expres Sevilla" im Auftrag von Fedex am Freitag um 15: DP-PUNKT 00 Uhr bei Herrn Amador die Kartons abholen wollte, war mein Paket mit dem Karton samt Case noch gar nicht bei Raimundo eingetroffen. Deshalb sagte der Fahrer, er würde später wieder vorbeikommen.

Um 18: 10 Uhr (laut Fedex Recherche) kam dann derselbe Fahrer und brachte den von mir geschickten Karton. Raimundo öffnete diesen und den darin befindlichen Koffer, packte zusammen mit dem Fahrer die Gitarre hinein und klebte den Karton wieder zu. Der Fahrer nahm sodann die beiden Pakete in Empfang, hinterließ aber kein Doppel der Frachtpapiere. Also keine Quittung.

Außerdem hatte der Fahrer eine die Zustellung eines Schinkens bei Raimundos Nachbarn zu erledigen. Dort hatte er bereits vorher angerufen, um zu erfahren, ob auch jemand zuhause sein würde. Die Telefonnummer des Fahrers "Daniel" war im Handy des Nachbarn gespeichert. Außerdem hatte der Sohn des Nachbarn den Fahrer dabei beobachtet, wie er die beiden Kartons aus dem Haus des Herrn Raimundo trug.

Nachdem die Gitarren am Mittwoch, den 17. Dezember immer noch nicht bei mir eingetroffen waren, verständigte ich die zuständige Fedex-Stelle. Hier wurde mir mitgeteilt, dass der Fedex-Fahrer um 15.00 die beiden Pakete nicht abholen konnte, weil sie noch nicht verfügbar waren.

Daraufhin holte sich Antonia Amador, die Frau des Raimundo, vom Nachbarn die Telefonnummer und rief den Fahrer an. Dieser „Daniel“ gab zu, die Gitarren um 18:10 Uhr abgeholt zu haben und berichtete außerdem, er habe sie am Morgen des Samstags (20. Dezember) noch im Lager seiner Firma gesehen.

Dies klang sehr fragwürdig. Ziemlich sicher hatte dieser Daniel gar keinen Auftrag, bei Raimundo etwas abzuholen, während Raimundo davon ausgegangen ist, dass dieser Fahrer eben genau diesen Auftrag hatte. Beim Verpacken hat der Fahrer natürlich gesehen, dass es sich um eine wertvolle Gitarre handelte. Und so hat er die günstige Gelegenheit wahrgenommen, die Gitarren in seinen Besitz zu bringen.

So kam alles heraus dank der kriminalistischen Intelligenz der Antonia Amador. Diese begnadete Frau ist voll fit im Kopf, kann aber weil Gitana (Gypsy) praktisch weder lesen noch schreiben. Das kommt leider in Spanien bei vielen älteren Mitgliedern dieser Zunft vor, weil Franco diese Leute genauso schlecht behandelt hat wie Hitler diverse Bevölkerungsgruppen. im Nazi-Deutschland. Wer nicht lesen lernt, macht weniger Ärger und ist leichter unter der Knute zu halten!

Aber die Sache mit den diversen Zeugen samt Drohungen der Amadors (Leg Dich besser nicht mit Gitanos an!) hat diesen windigen Typen dann doch derart nervös gemacht, dass er letztlich den Schwanz eingezogen hat.

Na, die Gitarren sind tatsächlich am nächsten Tag eingetroffen. Der Typ rief sogar vorher um halb zehn an, er habe sie und bräuchte noch die genaue Absender- und Empfängeradresse. Natürlich hat er damit einen offiziellen Frachtbrief erstellt, damit wieder alles seine Ordnung hat. Also habe ich mal Fünfe gerade sein gelassen, und ihn nicht anzeigt.