2005

Januar 2005 - NAMM

Ingo und ich, wieder in den Flieger nach Los Angeles. Diesmal erwartete uns ein repräsentativer Stand in einer gut besuchten Messehalle
Nathan hatte aus Nussbaum bei einem Tischler fünf sehr dekorative Show-Cases für jeweils drei Gitarren anfertigen lassen. Mit diesen, unseren 15 Gitarren waren wir gut aufgestellt, und Nathan bekam immer mehr Orders, insbesondere von Boutique-Shops. Dazu hatte er aus seinem Bekanntenkreis einige echt nette, junge Gitarristen als Standhelfer engagiert. So kümmerte sich Nathan und seine Crew um den amerikanischen Markt und wir uns um unsere Distributoren, die allesamt angereist kamen.

Erstes NAMM-Konzert im „HEROES“:


Nathan hat eine lokale Band organisiert, die während unseres Dinners mit einigen  unserer weltweit gesähten Distributoren aufspielen sollte. Ort des Geschehens: das „HEROES“ in Fullerton, ein riesiges Bierlokal mit über hundert verschiedenen, gezapften Bieren aus aller Herren Länder. Als erstes werfen sie allen Gästen jede Menge Tüten mit ungepulten Erdnüssen auf den Tisch, sodass nach kurzer Zeit der gesamte Boden mit Erdnuss-Schalen übersäht ist. Zu essen gibt es hauptsächlich Burger in allerlei Varianten, von denen ich die beiden dicken Brötchenhälften sofort zur Seite lege,  und dazu „Fries“ oder – um die Fetthaltigkeit der Kartoffeln auf die Spitze zu treiben – „Curly Fries“. Das sind spiralig geschnittene Erdäpfel, bei denen sich zwischen die „Windungen“ zusätzlich jede Menge Fritieröl festsetzt = Kalorienbombe total! Habe dann später mit der Band noch einige Doors-Songs zum Besten gegeben.

Frankfurt

Für die Messe im April haben wir Nathans Idee mit den Show-Cases übernommen und welche aus Nussbaum-Furnier bauen lassen. Allerdings komplett demontierbar und für jede Gitarre ein eigenes (auf diese (typisch US-amerikanischen schnörkeligen Überbauten haben wir verzichtet). Darüber hinaus hatten wir – ebenfalls aus Nussbaum-Furnier – ein über zwei Meter hohes, in drei Segmente aufgeteiltes, rundes Monument, welches zusätzlich jede Menge Gitarren und Bässe aufnehmen konnte, alles mit LED-Strahlern beleuchtet. Und da alle Schaukästen auseinandernehmbar waren, konnten wir sie platzsparend nach Frankfurt und zurück transportieren.


Eigentlich… Ja, eigentlich entsprach weder Nathans noch unser Design wirklich meinen 50’s orientierten Geschmack. Ich hätte lieber etwas eher Plüschiges, Perloides gehabt, z.B. Samt und Zelluloid. Aber egal. Ich musste zugeben, dass auch die Leute auch in Germany sicher auf hochwertigen Nussbaum stehen würden (wenngleich nur furniert). Und auch diese Messe war ein voller Erfolg.

Die „Rocket-II“


Wegen diesem Gibson-Ärger habe ich einfach in weniger als einer Stunde den Korpus umdesignt, indem ich die rechte Hälfte etwas verkürzt habe. Diese, jetzt asymmetrische Formgebung, finde ich bis heute viel geschmackvoller als das „Original“!

Das neue Tremola Tremolo:


Gute Tremolos dieser Bauart sollen präzise und dazu leicht sein. Deshalb werden sie aus Aluminium in einer sogenannten Druckguss-Form hergestellt, deren Lebensdauer naturgemäß einschränkt ist. Unsere hatte Risse und war leider nicht mehr reparabel. Eine neue Form kostet ein Heidengeld und ich dachte mir, wenn man sowas schon angeht, dann machen wir mal ein schönes, neues Design! Also erstmal am „Reißbrett“ eine Zeichnung gemacht. Aber solche Dinge muss man auch „stofflich“ in der Hand haben.

Also habe ich mir einige Kilos 25mm starkes Aluminium besorgt und an der Bandsäge zunächst die Außenform ausgesägt. (Mit einem frischen Sägeblatt geht das leichter, als man denken mag.) Dann seitlich die Rundungen für die Wellenaufnahme (Ball-String-Halter-Welle und Niederdruck-Rolle) angezeichnet und wieder ran mit der Bandsäge (siehe Fotos). Abschließend allerlei Schleifarbeit und Bohrerei. Das Ergebnis habe ich dann nach diversen Prototypen samt allen Maßen zu einem Technischen Zeichner gegeben, der per Computer ein 3D-Modell erstellt hat. Und anhand dessen wurde dann die Gussform gefertigt.


Multi-Bender


Martin hatte die Idee für den „Multi-Bender“. Ein Handhebel-Mechanismus, mit dem man Pedal-Steel-ähnliche Effekte auf einer E-Gitarre erzeugen kann, aber ohne Pedale. Er hatte schon ein respektables Funktionsmuster aus Baumarkt-Teilen zusammengeschustert – den sog. „OBI-Bender“. Das haben wir dann als Quasi-Endprodukt in die Tat umgesetzt – kein einfaches Projekt, weil dieser Mechanismus nicht nur funktionieren, sondern auch replacementmäßig auf bestimmte Gitarrentypen wie Strat und Tele passen sollte. Da haben wir uns zusammengesetzt und rumgetüftelt, bis endlich alles fertig war. Die Hebelteile habe ich, wie bei allen Produkten dieser Art, erstmal aus Alu oder Messing an der Bandsäge ausgesägt und dann mit den nötigen Bohrungen versehen, Gewinde geschnitten, geschliffen und poliert, ein ewiges „noch mal“ bis zur Perfektion.

Letztlich ist ein feinmechanisches Wunderwerk daraus geworden. „Direct Replacement“ für jede Strat. Bis zu fünf Hebeln konnte die Achse aufnehmen (was natürlich keiner braucht!). Mit einer zusätzlichen Feder unter dem Hebel konnte man sogar den Ton einstellbar absenken. Der Bender hatte sogar von Anfang an eine seitlich unterwärts angeschraubte, verchromte Lasche, die die Tremolofräsung der Strat abdeckte. Wir hatten an alles gedacht, und mittels eines speziellen Pickuprahmens konnte man ihn auch auf eine Tele montieren.

Das war viel Arbeit, wobei wir noch gar nicht wissen konnten, welche unglaublichen Mengen wir insbesondere ins Ami-Land verkaufen würden.



Jede Menge Zeugs auf dem Ping-Pong-Table ...

und meine Büro-Landschaft samt motzigem Duesenberg-Van ...